Mittwoch, 23. April 2014

Urlaubsgrüße aus dem Harz


Ein runder Familiengeburtstag - Schwiegeromas Neunzigster nämlich - hat uns am Osterwochenende in den Harz geführt. Um die über vier Stunden Zugfahrt zu rechtfertigen, haben wir einen kleinen Familienurlaub daraus gemacht und ein paar uns bisher unbekannte, aber sehr hübsche Ecken in der Gegend angeschaut. Den Anfang macht das quirlige Fachwerkstädtchen 

WERNIGERODE

Rathaus & Marktbrunnen

Kleine Gassen wie im Märchenbuch der Gebrüder Grimm. Hier an diesem Brunnen könnte sich doch Aschenputtel an der Spule gestochen und dann den Weg in Frau Holles Reich angetreten haben, oder?

Filzkunst vor einem Atelier

Stadtbibliothek & Stadtmuseum
Und im Museum: Eine Ausstellung zum Thema Bilderbuch. Klar, dass ich da hinein musste. Die Männer haben sich derweil das Luftfahrttechnikmuseum angeschaut.

Das städtische Gymnasium. Da möchte man doch auch lernen, oder?

Der Westerntorturm

"Es gibt nicht so viel Tag im Jahr, als dieses Haus ist alt an Jahr. Anno 1597" verkündet die Inschrift am Balken über der Tür.
Schönes buntes Fachwerk

Am Markt

Tortenschlacht beim Traditionskonditor Wiecker

Ratsherrenjubiläumstorte: Schwarzwälder Kirsch mit Heidelbeersahne, Baumkuchenstückchen, Marzipan, Schokolade und einem schokoladigen Jubiläumssiegel

Traditionshotel am Markt

Modern und trotzdem schön: Diese bunte Blume aus Stahl weist den Weg zu einem innerstädtischen Einkaufszentrum.


Wernigerode hat mir so gut gefallen! Traditionelle Bebauung wie im Bilderbuch, aber trotzdem alles sehr lebendig und modern - eine tolle Mischung! Dazu noch traumhaftes Frühlingswetter, feines Essen und der allgegenwärtige, wunderbare Fliederduft - herrlich!

Donnerstag, 17. April 2014

Frohe Ostern für Radfahrer


Zu Ostern gibt es ja viele verschiedene Menschen, die man gern beschenken möchte: Kinder, Eltern, Großeltern, Freunde - und Radfahrer :-) Zumindest bei mir gibt es da einen, dessen Leidenschaft dieser Sport ist und der sich am liebsten ganz schnell auf zwei superdünnen Reifen bewegt. Deshalb gibt es auch zu dem einen oder anderen Anlass Fahrradzubehör, Werkzeug oder Lieblingsfahrradladengutscheine geschenkt. Als ich vor einer Weile bei Christiane auf ihrem schönen Fahrradfrauenblog Bikelovin ihr aus alten Schläuchen gewebtes Aufbewahrungskörbchen sah, wusste ich gleich: Genau so soll des Lieblingsmannes Osterkorb dieses Jahr aussehen! Leider hatten wir nicht mehr als ein kleines Stück Schlauch zu Hause, hier wird schließlich alles geflickt und nochmal geflickt und so immer wieder verwendet. Ist ja auch ökologisch und finanziell absolut sinnvoll. Nur bleibt dann eben kein Material für die spontanen Kreativideen der Ehefrau übrig ;-)
Dank Christianes Tipp, den örtlichen Fahrradhändler anzusprechen, und meinem Mut, das auch wirklich zu tun, kam ich schließlich mit einer großen Tüte unterschiedlichster Schläuche nach Hause. Gut versteckt warteten sie auf ihren Einsatz. Zwischendurch wurden sie leider doch vom Ehemann entdeckt, der daraufhin schimpfte, was ich alles für Müll aufheben würde...
Gestern Abend, als der Mann dann beim Elternstammtisch des großen Schulkindes weilte, hatte ich endlich freie Bahn für die Umsetzung meiner Idee. Hier das Ergebnis:


Falls ihr Lust habt, das auch mal auszuprobieren, habe ich beim Basteln fleißig mitgeknipst und so ist ein kleines Tutorial für euch entstanden: 

Ihr braucht: 

* Fahrradschläuche (ich habe für eine Schale mit 30 cm Durchmesser genau 3 Schläuche verwendet)
* festeren Draht
* Schüssel oder anderes Gefäß als Form
* Tacker, Schere, Seitenschneider, Schmuck- oder Flachzange


Und so wird's gemacht:

1. Zuerst reinigt ihr die Schläuche mit Wasser und Haushaltsreiniger (ich hab sie im Waschbecken gebadet und geschrubbt)

2. Deckt den Arbeitsplatz mit einer wasserfesten Unterlage ab, die auch schmutzig werden kann (aus meinen Schläuchen ist eine Menge "Suppe" rausgelaufen, ein Gemisch aus Wasser und dem Puder, das sich innen in den Schläuchen befindet.)

3. Schneidet mit dem Seitenschneider mehrere gleich lange Drahtstücke ab. Jedes sollte einmal vom inneren Schüsselrand über den Boden bis in den gegenüberliegenden Schüsselrand reichen. Alle Stücke kreuzförmig über die Schüssel spannen, an den Rändern nach innen umbiegen. Damit das Weben später gleichmäßig funktioniert, muss die Anzahl dieser "Speichen" ungerade sein, ihr müsst also jetzt noch ein Drahtstück schneiden und befestigen, das allerdings nur vom Schüsselboden bis zu einem der Ränder reicht.
Merke: Je mehr Drahtspeichen und je fester der Draht, desto stabiler am Ende der gesamte Korb!

 
4. Wichtig: Es muss noch ein Stück Draht übrig bleiben, das oben einmal um den Schüsselrand herum reicht (+ ein kleines Stück zum Verdrehen und Befestigen)!

5. Mit einem weiteren Drahtstück verwebt ihr den Draht am Schüsselboden schneckenförmig, so dass nun alle Stücke miteinander verbunden sind:


 6. Nun schneidet ihr den ersten Schlauch auf, idealerweise an der Stelle, an der sich das Ventil befindet (das schneidet ihr dabei heraus).

7. Tackert das eine Ende zu oder verstopft es mit einem Küchentuch (damit bei euch diese Brühe nicht so rausläuft wie bei mir anfangs ;-) 


8. Tackert das andere Ende unten neben der Drahtschnecke um einen der Drähte, das ist euer Anfang:


9. Über komische geformte Löcher im Schlauch wundern ;-)


10. Nun beginnt ihr, den Schlauch um die Drähte zu weben, der neue Schlauch wird immer in den bisherigen Webschlauch gesteckt und festgetackert:


11. Noch stabiler wird das Ganze, wenn ihr nicht nur webt, sondern den Schlauch immer einmal um den Draht wickelt, bevor ihr zum nächsten Draht kommt, wieder wickeln, weiter zum nächsten Draht usw.

12. Ist die Schüssel einmal komplett umwickelt, legt ihr das letzte und längste Drahtstück einmal oben um die Öffnung und befestigt mit Hilfe einer Schmuck- oder Flachzange alle Drahtenden gut an diesem oberen Drahtring:


13. Nehmt nun euren Schlauchkorb von der Schüssel ab und schiebt und drückt Schlauch und Drähte noch ein bisschen zurecht, falls nötig. Der Korb ist jetzt im Prinzip fertig.

Ich wollte den Rand aber noch verkleiden und ein bisschen Farbe ins Spiel bringen. Genauer gesagt: Celeste-Farbe. Also die "himmlische" Nuance, die das Markenzeichen des italienischen Rennradbauers Bianchi ist. Warum gerade diese Farbe? Tja, mein Mann bastelt sich gerade ein neues Rennrad aus Einzelteilen zusammen, und die Grundfarbe dieses neuen "Lebensgefährten" ist eben dieses Celeste-Türkisblau. Deshalb (und wegen des späteren Inhaltes für das Körbchen) sollte das verwendete Band diesen Farbton haben (ich hätte sicher auch das bereits erworbene Lenkerband in dieser Farbe verwenden können, aber das hätte womöglich Ärger gegeben *ggg*).
Voilà:

 Und damit alles ganz stilecht ist und passt, ist die richtige Füllung natürlich ein Muss:

Als da wären: Trinkflasche und Trinkflaschenhalter in "Celeste" und ein speziell komponiertes Biker-Müsli vom Müslispezialisten MyMuesli, der tolle Sorten, einen Müslimixer sowie diverse Sportler-Müslis anbietet.
Nun steht dem Radlervergnügen nichts mehr im Wege :-)



Mittwoch, 16. April 2014

Von Piratenprinzessinnen und falschen Westseebräuten

Neulich habe ich ein Buch fürs große Schulkind bestellt, als ich ein neues Rezensionsexemplar bei Blogg dein Buch auswählen durfte. Dieses Mal war etwas fürs kleine Schulkind dran: Leinen Los, Seeräuber-Moses von einer der ganz Großen im Kinderliteraturgeschäft: Kirsten Boie. Das kleine Schulkind liebt zwar Vorlesen über alles, aber Hörspiele sind ebenfalls eine seiner großen Leidenschaften. Deshalb waren diese 5 CDs vom Verlag Jumbo Medien auch genau das Richtige für meinen Sohn. 430 Minuten Spielzeit bringen aber nicht nur den Kindern viel Spaß, sondern gleichzeitig auch den Eltern eine Menge freie Zeit - oder die Möglichkeit, am Wochenende ausnahmsweise mal auszuschlafen, während der kleine Frühaufsteher schon mit Käptn Klaas, Olle Holzbein, Haken-Fiete und all den anderen echte Piratenabenteuer erlebt :-)


Was jetzt nach einer klassischen Seeräubersaga klingt, entpuppt sich jedoch bereits nach kurzem Zuhören als eine ganz und gar ungewöhnliche Geschichte mit einigen unerwarteten Wendungen, denn nichts ist so, wie es anfangs scheint. Alles beginnt damit, dass Käptn Klaas' wilde Piratenmeute eines Tages einen ganz besonderen Fang macht. Einen, der wie am Spieß brüllen kann und lacht, wenn man ihn am Kinn kitzelt. Ihren neuen, ganz besonderen Schatz nennen die Seeräuber "Moses", wie der biblischen Prophet, der als Baby ebenfalls auf dem Wasser als Findelkind ausgesetzt wurde - und von diesem Tag ist auf der "Wüsten Walli" nichts mehr so, wie es zuvor einmal war...
Puh! Ganze fünf CDs, ganz schön viel, dachte ich anfangs. Doch dann merkte ich beim Zuhören kaum, wie die Zeit verflog. Wie gebannt lauschten wir Karl Menrad, der all den verschiedenen Charaktere, vom wilden Seeräuberhauptmann Ubbo Wutwalle bis zur feinen Rosalinde Rosenduft, eine ganz eigene Stimme verleiht und sie so unwiderstehlich und unverwechselbar macht. Als gebürtige Sächsin musste ich vor allem schmunzeln, als gegen Ende der Geschichte ein Schmied auftauchte, der doch tatsächlich einen unverkennbar sächsischen Dialekt hat :-)
Haarsträubende Dinge geschehen auf der "Wüsten Walli", im königlichen Schloss, im Seeräuberdorf und in der Ritterburg, um nur einige der vielen Schauplätze der Geschichte zu nennen. Und was echte Piraten sind, wird da geskullt, kalfatert und gerefft, was das Zeug hält. Wie? Ihr versteht kein Wort? Kein Problem, denn diese und viele weitere Begriffe aus der Seemanns- und Piratensprache werden im beliegenden Booklet erklärt. Die meisten jedoch kann man sich denken, spätestens, wenn sie zum zweiten oder dritten Mal auftauchen. Und was man sich nicht denken kann, wird zwischendrin erklärt. Einfach so, mitten in der Geschichte, heißt es dann manchmal: "Und jetzt, wo die beiden gerade beschäftigt sind, kann ich euch schnell mal erzählen, was es mit ... auf sich hat, das ist nämlich...". Dann folgt eine kurze Erklärung, die das Buch auch ein bisschen zum Sachbuch macht, denn der Zuhörer erfährt dabei einiges über die Geschichte von Nord- und Ostsee, deren Landschaft, Bevölkerung, Sitten und Bräuche und vielem mehr. Auf diese Weise springt der Erzähler - ob nun Karl Menrad im Hörbuch oder der Vorleser beim Printbuch - immer wieder zwischen Geschichte und Zuhörern hin und her, ohne dass dies den Lesefluss in irgend einer Weise stören würde. Vor allem die direkte Ansprache der Leser bzw. Zuhörer hat mir wirklich gut gefallen, denn sie holt einen erst recht mitten ins Geschehen hinein. Außerdem können sich die Kinder auf diese Weise immer ein bisschen schlauer und wissender als die Charaktere der Erzählung fühlen, wenn Karl Menrad mutmaßt, dass sie sich dieses oder jenes bestimmt schon gedacht haben, die Piraten aber noch nicht darauf gekommen sind. Oder wenn er seine jungen Zuhörer zu einem kleinen Gedankenspiel ermutigt und sagt: "Und wenn ihr euch nun fragt, warum Moses und Hannes das alles immer zusammen machen, so müsst ihr euch das schon selber denken."
Neben all der Spannung und dem Witz und den Sachinformationen kommt auch das Gefühlsleben der Protagonisten nicht zu kurz. Immer wieder wird genau beschrieben, wie sich z.B. Moses' bester Freund Dohlenhannes oder die Königin gerade fühlen und wie sich ihre Empfindungen in ihren Worten und Gesichtern spiegeln. Ich denke, an dieser Stelle werden die Kinder gut abgeholt, denn viele Emotionen kennen sie selbst nur zu gut und erfahren hier, dass jeder, ob Kind, Pirat oder König, viele verschiedene Stimmungen und Gefühle hat und wie Moses und die anderen damit umgehen. Ein Beispiel: "Denn wenn man so richtig traurig ist, dann kümmern einen andere Menschen nicht mehr so sehr. Und andere Tiere kümmern einen dann erst recht nicht."
Mein Lieblingsabsatz ist übrigens folgender: "Das hatten ihr die Seeräuber beigebracht, dass man jeden Streit mit Worten regeln kann. Und bevor man seine Fäuste oder seinen Säbel rausholt, kann man es ja erstmal mit Schimpfwörtern versuchen." So wunderbar unpädagogisch muss ein richtig gutes Kinderbuch sein, jawoll! Auf Augenhöhe mit den Kindern, auf sie eingehend, aber nie belehrend oder mit erhobenem Zeigefinger. Aber Letzteres ist ja sowieso nie Kirsten Boies Intention. Was für ein Glück für die Kinder!

Fünf Sterne, also die Höchstpunktzahl, vergebe ich für diese wunderbare Geschichte aus Kirsten Boies Feder, liebevollen und gleichzeitig augenzwinkernd illustriert von Barbara Scholz, von Ulrich Maske mit piratenstarker Musik unterlegt und großartig interpretiert von Schauspieler und Sprecher Karl Menrad.

Dienstag, 15. April 2014

DIY Ausstechförmchen


Wer hier schon länger mit liest, weiß wahrscheinlich, dass ich ein absoluter Ausstechförmchen-Junkie bin. Neulich musste ich wieder einmal die Kiste vergrößern, weil in die alte nix mehr reingepasst hat. Allerdings ist mein liebster Ausstechförmchenladen ein Stück weg und dauernde Neuanschaffungen weder gut fürs Haushaltsbudget noch für den Platz im Küchenschrank (und erst recht nicht für die Nerven des Lieblingsmannes ;-) )
Deshalb habe ich schon länger überlegt, wie man den Ausstechförmchen selber machen könnte, in jeder gewünschten Form, die man oder frau gerade benötigt. Ausgerechnet im Zuge meiner Zahn-OP kam mir dann die Idee, denn ich wollte gern Zahnkekse backen. 

Hier zeige ich euch, wie es geht:

Ihr braucht nur ein paar ganz einfache, praktisch immer vorhandene Dinge:


Zuerst schneidet ihr vom Joghurtbecher den oberen Ring und den Boden ab, dann teilt ihr den Becher rings herum in 2,5-3 cm breite Streifen:


Einen Streifen faltet ihr jetzt mittig und tackert ihn an beiden Enden(!) knapp unterm Rand zusammen:


Das Ganze vorsichtig wenden, so dass die Tackerklammern nun innen sind:


Knicken, biegen, falzen, bis euer Plastikstreifen die gewünschte Form hat:


Für andere Formen können die Klammern auch anders gesetzt oder mehr oder weniger Klammern verwendet werden. Probiert es einfach mal aus. Material zum Üben ist ja meistens genug da :-)


Und dann: Lieblingsmürbteig kneten, ausrollen, Zähnchen ausstechen, backen , mit weißer Schokolade oder Zuckerguss verzieren. Selbst genießen oder verschenken.


Anschließend noch hübsch verpacken und - voilà - habt ihr ein feines Geschenk für euren Lieblingszahnarzt oder die einfühlsame Zahnarzthelferin:

Ich bin ja eigentlich ein großer Freund der deutschen Sprache und mag die Verwendung des Englischen rein  als Werbe- oder Coolnessgründen gar nicht. An dieser Stelle habe ich aber gern auf das englische Sprichwort mit dem "süßen Zahn" zurückgegriffen, weil es das im Deutschen so nicht gibt und die "Naschkatze" einfach nicht ganz so perfekt gepasst hätte.

Da das Material für das Förmchen und sogar die Packung (von Himbeeren)  recycelt wurden, wandert mein heutiger Post nicht nur zum Creadienstag, sondern auch noch zu Ninas Upcycling Dienstag.

Viel Spaß beim Nachmachen!


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