Montag, 16. November 2015

Keine Kerzen

Am Freitag habe ich an einem Gewinnspiel teilgenommen. Der Preis: Eine Reise nach Paris. Ich habe sie nicht gewonnen. Ich weiß auch nicht, ob sie überhaupt verlost wurde. Denn plötzlich hat sich Paris vom Sehnsuchtsort an der Seine zur Stadt des Terrors gewandelt. Seitdem gibt es kaum noch ein anderes Thema, auf allen Kanälen wird geschrieben und diskutiert, ausgewertet und analysiert, Trauer bekundet und Konsequenz gefordert. 
Und ich? Ich bin schockiert, natürlich. Wir alle sind jedes Mal wieder schockiert, wenn so etwas passiert. Obwohl es so oft geschieht, wahrscheinlich fast täglich irgendwo auf der Welt, wir erfahren es nur nicht immer. 
Schockiert, ja, aber nicht traurig. Warum sollte ich trauern? Ich habe niemanden verloren, den ich kannte, der mit nahe stand. Natürlich tut es mir leid für jeden, der einen lieben Menschen verloren hat. Aber ich bin nicht persönlich betroffen (Gott sei Dank!!!). Die Opfer von Paris sind für mich genauso fremd wie jeder tote ukrainische Widerstandskämpfer, jedes verhungerte afrikanische Kind, jeder in einem Drogenkrieg ermordete Mexikaner. Ich mache keinen Unterschied zwischen fremden Toten je nach ihrer Herkunft oder Religion. 
Andere Menschen machen allerdings scheinbar genau diesen Unterschied. Jeden Tag sterben viel zu viele Menschen auf der Welt. Aber manchmal, nur manchmal, gibt es für einige von ihnen ungeheure Trauerbekundungen, betroffene Blogposts, Kerzen und Kondolenz en masse in den sozialen Netzwerken und staatlich organisierte Schweigeminuten.
Und jedes Mal frage ich mich: Warum sind diese Menschen mehr wert als all die anderen, die irgendwo im Bombenhagel, bei Anschlägen, Naturkatastrophen, Genoziden oder aus purer Not umkommen? Warum werden manche international tagelang betrauert und andere sind nicht einmal eine Randnotiz in den Medien wert? Und warum fühlen sich manche Menschen von dem Tod Einzelner so viel mehr betroffen als vom Sterben anderer? Weil Paris uns räumlich und kulturell näher ist? Oder, böse vermutet: Weil die Opfer Europäer, Weiße, Christen waren (oder gewesen sein könnten)? Weil wir an toten Franzosen in der Stadt der Liebe noch nicht so übersättigt sind wie an toten Syrern, Afghanen, Irakern, Palästinensern oder an ertrunkenen Flüchtlingen?
Ich weiß es nicht. Aber etwas anderes weiß ich: Es ist keine Trauer, die ich verspüre, wenn ich solche Nachrichten wie die aus Paris höre oder über die Geschehnisse in der Welt nachdenke. Das Gefühl, das sich dann in mir breit macht, ist ein anderes, nämlich WUT!

WUT auf eine Handvoll menschenverachtender Idioten, die ihre verquere Ideologie aufs Grausamste verbreiten wollen und denen dabei nichts, aber auch gar nichts heilig ist.
WUT auf all die Staaten und Regierungen, die - aus welchen Gründen auch immer - vermutlich gar nicht an einem Ende der Terrorherrschaft im Nahen Osten interessiert sind.
WUT auf die Waffenhersteller, die sich eine goldene Nase an genau diesen Greueltaten verdienen und dann Sätze sagen wie "Es ist ja gar nicht die Waffe, die tötet, es ist immer der Mensch, die Waffen sind harmlos."
WUT auf Regierungen, die nicht nur wirkungsvolle Aktionen gegen IS & Co vermissen lassen, sondern aus eigenen Interessen sogar noch unterstützend wirken.
WUT auf Oppositionen, die das nicht verhindern.
WUT auf diejenigen, die diese schlimmen Ereignisse instrumentalisieren und für ihre Zwecke nutzen.
WUT auf alle, die jeden Anschlag als willkommene Gelegenheit nutzen, unsere Bürger- und Freiheitsrechte weiter gravierend einzuschränken.
WUT auf alle, denen das egal ist.
Und nicht zuletzt WUT auf diejenigen, die sich jetzt in ihrer ebenfalls menschenverachtenden Ideologie bestätigt fühlen, dass man Menschen aus bestimmten Kulturen oder Religionen lieber ertrinken oder im Krieg erschießen lassen sollte, als ihnen Asyl in Europa zu gewähren, weil das den Terror hier verhindern würde. Die Kerzen auf Facebook posten, weniger als Zeichen der Menschlichkeit gegenüber den Opfern der Anschläge, sondern viel mehr als Zeichen der Härte und Unmenschlichkeit gegenüber allen, die gerade auf der Flucht sind und hier Schutz suchen.

Da ist Wut, nichts als Wut!


Freitag, 13. November 2015

12 Bilder und viele Blumen

Zum Geburtstag meines kleinen Schulkindes letzte Woche gab es natürlich viele schöne Blumen, die uns jetzt in der ganzen Wohnung verteilt erfreuen. Der Strauß, den ich euch heute zeige, gehört allerdings nicht dazu. Den habe ich nämlich ganz für mich allein geschenkt bekommen. 

Sind die Rosen nicht wunderschön? Wie für eine Prinzessin gemacht, finde ich!


Und dann gibt es noch einen kleinen Tagesüberblick von gestern. Warum erst heute? Weil ich gestern Abend so vernünftig war, lieber ins Bett zu gehen als noch weiter am Rechner zu bleiben und Blogposts zu schreiben. Das schaffe ich nicht oft, aber es rächt sich am nächsten Tag immer sehr. 

Nun also mein 12.11.2015:

Mein Wecker klingelt 5:30 Uhr. Draußen ist es noch stockfinster. Auch dann noch, als ich nach einem Minifrühstück eine Stunde später mit dem Rad zur Schule fahre. Im Stadtpark kommen mir so viele Radfahrer entgegen, dass der Weg aussieht wie eine Straße voller Autos, nur eben mit immer nur einem Frontscheinwerfer. Im Schwimmbad sind bereits Menschen - mich würde um diese Uhrzeit und bei den Temperaturen niemand ins kalte Wasser kriegen.
Um sieben Uhr, also noch vor dem Unterricht, habe ich ein Gespräch mit Klassenlehrerin, Ärztin, Pfleger und Klinikschullehrerin. Es läuft gut und ich hoffe, die Übergabe, Eingewöhnung und Zusammenarbeit klappt auch weiterhin.
Auf dem Rückweg radle ich durch den sehr herbstlichen Großen Garten in die Altstadt. Es geht an der Frauenkirche vorbei Richtung Schloss. Vor der altwehrwürdigen Kulisse schließe ich meinen Drahtesel an und suche mir ein warmes Plätzchen in einem der vielen Cafés dort. Nach einer Weile stößt auch meine Freundin dazu und wir gönnen uns ein leckeres zweites Frühstück (daher morgens nur die Minivariante). Wir tauschen uns hauptsächlich über die Schule und ihren Deutschkurs für Flüchtlinge  aus. Anschließend treffen wir uns mit ihren Schülern in der Buchhandlung, denn sie wollen sich ein Wörterbuch zulegen. Nachdem wir das gesamte arabisch-deutsche Sortiment durchgesehen haben, entscheiden sich die Männer für das kleine gelbe Langenscheidt. Nebenbei lerne ich ein paar Zahlen und Wörter auf Arabisch - und vergesse alles gleich wieder. 
Nach einem kurzen Zwischenstopp zu Hause (bei dem ich mich wärmer angezogen habe, da die gefühlte Temperatur mit der Wettervorhersage "nicht so ganz" übereinstimmt) mache ich mich noch einmal auf in die Schule. Im Gepäck habe ich den neuen Drachen, ein Geburtstagsgeschenk des kleinen Schulkindes. Ich habe versprochen, heute nach dem Unterricht mit ihm an die Elbe zu fahren und den Drachen dort auszuprobieren.
Während es am Vormittag sehr windig war, regt sich nun kein Lüftchen mehr. Aber egal, der leichte Drachen fliegt trotzdem, wenn auch nicht so hoch und so lange. Und die Kulisse der Dresdner Altstadt ist sowieso unvergleichlich. Als es langsam dunkel wird, machen wir uns wieder auf den Heimweg, schließlich stehen noch einige Hausaufgaben an. Wir kommen an der Synagoge vorbei, neben der anlässlich der Reichskristallnacht am 9. November zahlreiche Kränze niedergelegt wurden. Ich erkläre meinem Sohn, was es damit auf sich hat, wir reden lange. Solche Dinge sind schwer fassbar, für Kinder wie für uns Große gleichermaßen.
Wieder zu Hause, stärken wir uns noch mit den Donuts, die ich am Vortag gebacken habe. Dann setzen sich die Kinder an ihre Schulsachen und später vor den Computer. Ich nehme mir das erste der vier Fotobücher vor, die ich für Weihnachten schaffen möchte. Ich habe auf den vielen runden Geburtstagen meiner Familie in diesem Jahr viel fotografiert und möchte die Erinnerungen daran gern verschenken. Das erste Buch schaffe ich sogar fast komplett, nur der Text fehlt noch.
Gegen 22:30 Uhr falle ich schließlich ins Bett, die spätestmögliche Zeit, um am folgenden Tag einigermaßen ausgeruht und nervenstark zu sein.

Verlinkt bei Friday-Flowerday und 12 von 12.

Mittwoch, 11. November 2015

Helfen durch Nähen

Liebe Menschen und Menschinnen da draußen!

Heute möchte ich euch auf eine Initiative aufmerksam machen, die ich gemeinsam mit den zwei  Dresdnerinnen Claudia (die auch unsere wunderschönen Logos und Banner entworfen hat) und Esther gegründet habe: 




Unser Vorhaben: Wir nähen für Kinder in Not. Im Moment sind das vorrangig Kinder in den Dresdner Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge. Wir beschränken uns aber nicht auf diese Zielgruppe, sondern möchten allen helfen, die unsere Unterstützung brauchen. Wenn ihr also eine Einrichtung oder Personen kennt, die warme Mützen und Schals benötigen, könnt ihr euch gern melden. 
Vor allem aber suchen wir noch viele Mitstreiter_innen, die mit uns nähen, Stoffe spenden, Stoffspenden oder Geldspenden organisieren etc. 
Wir organisieren uns über unsere Facebook-Gruppe. Für Berichte über unsere Tätigkeit, Sponsorensuche etc. gibt es eine Facebook-Seite. Die Mailadresse der Initiative ist helfendurchnaehen [ÄtT] gmail [dOt] com.


Da langsam der Winter in Deutschland Einzug hält, nähen wir aktuell Mützen und Schals/Loops/Halssocken in allen Größen und Farben. Für die Adventszeit möchten wir Weihnachtsgeschenke nähen. Dazu rufe ich aber noch einmal extra auf. 

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mitnäht und wir gemeinsam für ganz viele warme Kinderohren und -hälse sorgen können!!! Seid ihr dabei?

Montag, 9. November 2015

Alles Liebe zum Neunten!!!

Das absolute Highlight unserer Woche war natürlich der 9. Ehrentag unseres kleinen Schulkindes, das nun wirklich nicht mehr klein ist! 

Sein großer Tag begann - wie immer bei uns - damit, dass wir gemeinsam zur Küchentür gingen. Dahinter war der Geburtstagstisch aufgebaut. Schnell huschte ich hinein, um die Kerzen anzuzünden, dann betraten wir alle gemeinsam den Raum. Vor dem Geburtstagstisch blieben alle stehen, sangen gemeinsam "Wie schön, dass du geboren bist", dann durften die Kerzen ausgepustet und die Geschenke ausgepackt werden. Das waren bei uns diesmal als Hauptgeschenk ein neues Radio mit CD, weil das Geburtstagskind Hörspiele liebt, sein Kinderradio aber ein für allemal den Geist aufgegeben hat. Dazu zwei neue Hörspiele von den Olchies und dem Magischen Baumhaus. Außerdem gab es ein Paar Schlittschuhe, die er für den Schlittschuhunterricht in der Schule braucht. Als gemeinsames Familienerlebnis werden wir außerdem im Winter noch einmal mit den Schlittenhunden wandern gehen. Mal sehen, ob wir diesmal Schnee haben.

Das Beste am Geburtstag waren allerdings nicht die Geschenke, sondern:

* der Besuch der besten Freundin aus Leipzig
* die Übernachtung des besten Schulfreundes
* das Zerlegen des alten Radios
* die selbstgemachte Zuckerwatte als Geschenk vom großen Bruder

Der Große hatte sich vorher lange Gedanken gemacht, was er schenken könnte, und kam dann auf die Idee, einen Beitrag zur Feier zu leisten. Die Deko vielleicht? Oder ein paar Kartentricks für alle Gäste? Doch dann setzte sich ein ganz anderer Gedanke in ihm fest: Zuckerwatte sollte es sein!
Er recherchierte, wo und zu welchem Preis man die benötigte Maschine ausleihen konnte. Schnell stellte er fest: Eine kleine zu kaufen kostet wesentlich weniger als das Ausleihen, denn da gibt es nur die großen für Jahrmärkte, die wir nicht einmal transportieren könnten. 
Wir bestellten also ein entsprechendes Exemplar inkl. der bunten Tütchen-Stiele. Ein paar Tage vor der Feier packte der Große alles aus, reinigte es und machte die ersten Versuche. Es klappte von Anfang an wunderbar. Nun kam die schwerste Aufgabe: Nix verraten! Immer wieder zwinkerten wir uns verschwörerisch zu und sagten Dinge wie "Hach, wird das ein SÜSSER Geburtstag werden!" :-)

Zwischen Kaffee und Abendessen der Familienfeier verzog sich der Große dann in die Küche und bereitete alles vor. Als dann die ersten Gäste mit perfekt flauschig-süßer Zuckerwatte durch die Wohnung liefen, machten alle große Augen. Vor allem die jüngeren Gäste waren begeistert und holten sich Nachschub, bis wir Sorge hatten, dass das Bauchweh gibt :-)

Eine weiter Besonderheit der Feier war, dass ich nicht ein Stück Kuchen selbst gebacken habe. Quarktorte und Geburtstagsrührkuchen machte der Lieblingsmann, ein Blech Apfelstreusel bestellte ich bei der Schwiegermutter und eine optisch und geschmacklich traumhafte Mousse-au-Chocolat-Torte bestellten wir beim Konditor. Ein Familiengeburtstag, ich backe nix und siehe da: Es geht auch ;-)


Mittwoch, 4. November 2015

Licht an!

So unangenehm es ist, nun morgens im Stockdunklen aufstehen zu müssen und oft genug erst im ebenfalls Dunklen wieder nach Hause zu kommen, so schön sind die Lichterspiele von Kerzen und anderen Beleuchtungen vor dem nachtschwarzen Himmel.
Wir sind z.B. am Wochenende extra erst später auf den Rummelplatz gefahren, um die bunten Lichter in ihrer ganzen Pracht genießen zu können.

Wenn das Kettenkarussell so richtig in Fahrt ist...

...verschwimmen die Lämpchen vor den Augen.

Das Riesenrad thront wirklich wie ein gigantisches Laufrad eines Fahrrads über dem Platz.

Nichts für meinen Magen, aber sehr schön fürs Auge: eine der "Kotzmühlen" :-)
Wir sind lieber Autoscooter gefahren und hatten dabei eine Menge Spaß

Die Losbude hat uns keinen riesigen Minion, sondern nur eine kleine rosa Schildkröte aus Plüsch beschert. Wir haben sie "Klaus Günther" getauft.

Nicht nur das Gewinnen ist auf dem Rummel Glückssache. Manchmal auch die Rechtschreibung ;-)


Verlinkt bei Lottas Fotoaktion Bunt ist die Welt.


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