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Sonntag, 25. Januar 2015

Mein erstes Mal: Wandermut

Die Elbe bei Bad Schandau im Morgennebel

Am vergangenen Wochenende habe ich eine Premiere erlebt: Ich war zum allerersten Mal ganz allein wandern. Vielleicht finden das einige von euch jetzt gar nicht so ungewöhnlich oder sogar ganz selbstverständlich. Aber für mich war es etwas Besonderes. Ich bin weder sehr mutig noch gern allein. Einen Wald, und sei er noch so schön, kann ich nur mit anderen gemeinsam genießen. Allein trau ich mich da nicht hin. Von der Selbstmotivation, erst einmal dorthin zu kommen, ganz zu schweigen.
Letzte Woche dann - das kleine Schulkind war mit Oma und Opa in Oberwiesenthal Ski fahren - beschlossen der Lieblingsmann und das große Schulkind, eine Männerradtour durch die Sächsische Schweiz zu machen. Ich radel auch ganz gern durch die Gegend, aber möglichst viele Kilometer oder gar Höhenmeter brauche ich wirklich nicht. Und zu tun hab ich hier auch immer genug. Also ließ ich die beiden zu zweit planen. Als ich dann aber am Sonntag Morgen aus dem Fenster schaute und blauen Himmel und Sonnenschein erblickte (wann hatten wir das eigentlich zuletzt mal?), zog es mich doch raus ins Freie. Kurzentschlossen machte ich mich innerhalb von 10 Minuten ausgehfertig (ich war noch im Schlafanzug!), um die S-Bahn der beiden auch noch zu schaffen. Wir fuhren zusammen bis Bad Schandau, setzten mit der Fähre über die Elbe und verabschiedeten uns. 

Ein Hauch Italien und erotische Kunst in Bad Schandau.

Erinnerung ans große Hochwasser 2002 und andere Fluten finden sich überall.

Durch meine Spontaneität hatte ich überhaupt keinen Plan, wie es nun für mich weitergehen könnte. Eine Karte konnte ich in der Eile auch nicht mehr einpacken. Ich lief also einfach der Nase nach durch den Ort und dachte, irgendwann würde mir schon ein Wegweiser in die Natur begegnen. Zuerst lief ich scheinbar in die völlig falsche Richtung, denn die Häuser wurden zwar immer kleiner, aber einen Weg in den Wald fand ich nicht. Also drehte ich kurzerhand um, durchquerte abermals die Ortsmitte und lief in die entgegengesetzte Richtung weiter. Plötzlich sah ich das Schild, das zur Haltestelle der Kirnitzschtalbahn wies und folgte ihm begeistert. Aber ob die historische Straßenbahn heute auch fuhr? Schließlich ist absolute Nebensaison. Ich hatte Glück: Bei der Bahn gibt es keine Saison und sie fuhr nur 20 Minuten später ab. 
 
Freude über die Kirnitzschtalbahn und schöne Ortsnamen

Ich beschloss, bis zur Endstelle mitzufahren und von dort aus zurückzulaufen. Also stieg ich mit einer Handvoll anderer Menschen am Lichtenhainer Wasserfall aus, verweilte kurz dort, fotografierte ein junges Pärchen und sie mich, dann ging es per Pedes weiter. 




Mann und Kind nahmen währenddessen die Radroute, die zwar nicht über Stock und Stein, aber dafür reichlich herausfordernd über Berg und Tal führte. Mein Weg war nicht nur still und einsam (kein Mensch war bei knapp über null Grad dort unterwegs), sondern vor allem sehr schön. Ich wanderte auf dem sogenannten Flößersteig, der direkt neben dem Flüsschen Kirnitzsch entlang führte und sehr abwechslungsreich war.

Mal ging es über dicke Wurzeln oder eine dichte Schicht Buchenlaub, mal durch Schlamm und Matsch, dann wieder an feuchten Wiesen ("Nasser Grund" genannt) oder auf Waldwegen hoch über dem Flusstal entlang. Meine Winterstiefel waren dabei nicht ganz die perfekten Begleiter, bei etwas ausführlicherer Wegplanung hätte ich sicher auf meine wasserfesten Wanderschuhe zurückgegriffen. (Aber dann hätte ich auch das Kleid weglassen und mich also komplett umziehen müssen und dann hätte ich die S-Bahn nie und nimmer mehr gekriegt *lach*). Auch die Handtasche würde ich beim nächsten Mal gegen einen Rucksack eintauschen ;-)

Entgegen meinen Befürchtungen genoss ich das Alleinsein im Wald sehr und hatte erstens durch das freundliche und helle Wetter und zweitens durch das Wissen um meine Familie in der Nähe gar keine Angst. Ich konnte ganz in meinem eigenen Tempo gehen (was ziemlich schnell war), aber auch jederzeit anhalten und mich umsehen oder nach Fotomotiven Ausschau halten (was ziemlich oft war). Gleichzeitig wusste ich, dass fast direkt neben meinem Weg einmal pro Stunde die Bahn fuhr und ich jederzeit zusteigen konnte, wenn ich keine Lust mehr hatte. 

Wächst da in der Dachrinne die nächste Generation Weihnachtsbäume?

Vorbei ging es an leider ganz verfallenen Häusern mitten im Wald und an Steinformationen mit Moos oder Flechten, so leuchtend wie Graffiti.

Die Sonne kam nicht bis ganz auf den Boden des Tals, aber die Berggipfel und Baumwipfel leuchteten hell und der Wald war so grün, dass man den Winter kaum spürte. Beim Gehen wurde mir außerdem so warm, dass ich schließlich mit offener Jacke ging und mir wünschte, ich hätte weniger angezogen.

Einige Wurzeln sahen aus wie verwunschene Zauberwesen.

Überall an Stämmen und Zweigen entdeckte ich bizarre Pilze und anderen Bewuchs.

Wunderschöne Spiegelungen in den Pfützen und Wasserläufen des "Nassen Grunds"

Zur Verpflegung hatte es morgens nur noch für eine kleine Flasche Wasser gereicht, aber ich hatte auf dem Hinweg ein nettes Gasthaus im Wald entdeckt, das ich bei größer werdendem Hunger einfach ansteuern könnte. Gegen zwei Uhr mittags kam ich dann im Forsthaus an und bestellte mir einen Teller hausgemachter Semmelknödel mit Pilzen und zum Nachtisch warmes Pflaumenkompott mit Zimt und einer Kugel Walnusseis. Hmmmm! Sehr empfehlenswerte gehobene Küche inkl. vieler Wildgerichte aus einheimischer Jagd auf der Karte!

Vom Forsthaus nahm ich die Bahn zurück nach Bad Schandau, stieg in den Schienenersatzverkehr nach Pirna, fuhr von dort aus mit der S-Bahn zum Dresdner Hauptbahnhof und schließlich noch mit dem Rad nach Hause. Der Rest der Familie wartete schon dort auf mich. Ich war ziemlich geschafft, aber sehr glücklich über meinen gelungenen Tag in der Natur. Und stolz auf meinen Mut, völlig spontan und planlos und allein loszugehen. Das mach ich mal wieder!

Wald in der Abendsonne



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