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Donnerstag, 23. April 2015

Welttag des Buches

Es gibt ja für vieles einen speziellen Tag und nicht immer erschließt sich mir da der Sinn (z.B. beim Tag der Joggingshose). Aber der heutige Tag hat eine wunderbare Botschaft, hinter der ich voll und ganz stehe:

LEST MEHR BÜCHER!

Die vor zwei Jahren von zwei Bloggerinnen ins Leben gerufene und mittlerweile riesig große Aktion Blogger schenken Lesefreude möchte ich auch dieses Jahr wieder unterstützen und einige Bücher unter meinen Leser_innen verlosen. Einige Exemplare stammen aus meiner Rezensentinnentätigkeit für die Bücherkinder, einige finde ich so toll, dass ich sie extra für euch erworben habe.

Und diese Exemplare gibt es heute zu gewinnen:

* 2 Kreativbücher: Das superdicke "365 Basteltage" mit ebenso vielen Ideen aus Alltagsmaterialien für kleine und mittelgroße Hände. Bestens geeignet für Menschen, die sonst eher nicht so viel basteln. Außerdem die "Herbstwerkstatt" der Sachenmacher mit vielen tollen Ideen rund um bunte Blätter, Kürbis & Co. Auch für versierte Bastler finden sich hier viele neue Inspirationen.
* Faszinierende "Experimente für Kinder", ein schöner Mix aus den witzigen Geschichten rund um Erfinderfrosch Hieronymus, ersten einfachen naturwissenschaftlichen versuchen und fundierten Erklärungen dazu.
* "Poppy, der Piratenhund", ein Vorlese- bzw. Erstlesebuch mit großer Schrift und vielen Bildern, das von einer Familie und ihrem Hündchen Poppy erzählt.
* Das süße und witzige Bilderbuch von "Lester und Bob", der etwas eitlen Ente und ihrem gutmütigen Bärenfreund Bob, gleichzeitig schlicht und herzerwärmend illustriert vom Meister Ole Könnecke.
* Zum Vor- und Selberlesen für Grundschulkinder ist die Geschichte rund um Luc, der den Umzug seiner Eltern in ein kleines Kaff gar nicht gut findet, dann aber mit anderen aus dem Dorf die BMX-Bande "Superjumper" gründet.

* Das wunderbare Bilderbuch im Comicstil "Lehmriese lebt" von Anke Kuhl, das ich auf der Buchmesse in Leipzig live von der Autorin und Illustratorin in ihrer Lesung erleben durfte und vom ersten Augenblick großartig fand! (hier nur das Plakat zum Buch, daher so dünn *lach*)

Ihr möchtet eins dieser Bücher bald euer Eigen nennen? Dann kommentiert hier bei mir oder schreibt mir eine Mail bis zum Sonntag, den 26. April 2015, 24 Uhr. Teilnehmen dürfen alle volljährigen Personen mit einer Adresse in Deutschland, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Donnerstag, 9. April 2015

Romanrezension "Der Holundergarten"

Cover: Bloggdeinbuch.de

Sie hat ihn angehimmelt, seit sie denken kann. Dann, mit 14, kam es zum ersten Kuss auf einem Kostümfest. Das Problem: Sie war maskiert und er weiß bis heute nicht, wer die süße kleine Schäferin mit den weichen Lippen war. Sie hat es ihm auch nie verraten, war er doch der begehrteste Junge des Dorfes und noch dazu einige Jahre älter als sie. Chancen also gleich Null. 
So richtig ist Luisa nie über ihren Jugendschwarm Rafael hinweggekommen, hat sich eher mit dieser Dauersehnsucht arrangiert. Dabei war es durchaus hilfreich, dass er nicht lange nach dem Kostümfest mit einem Verdacht konfrontiert wurde, der ihn aus dem Dorf getrieben hat. Nie wieder wollte er einen Fuß in diesen Ort setzen, dessen Bewohner ihn derart hintergangen hatten. Doch mit Mitte Dreißig bleibt ihm nichts anderes übrig, als noch ein letztes Mal zurückzukehren, um die Gärtnerei seiner verstorbenen Schwester abzuwickeln. Das Geschäft führt nun aber Luisa - und die will sich weder ihre Lebensgrundlage wegnehmen lassen noch die sorgsam verbarrikadierten Gefühle wieder aufleben lassen. Doch beides steht mit Rafaels Rückkehr auf der Kippe...

Die Story vom Heimkehrer mit dunkler Vergangenheit, der dann wider alle Erwartungen Gefallen an der alten Heimat im Allgemeinen und einer jungen Dame im Besonderen findet, ist nicht neu. Irgendwie zieht sie aber immer wieder. Den Titel "Holundergarten" finde ich nicht so wahnsinnig einfallsreich, vor allem, da es in den letzten Jahren sehr viele Romane mit Pflanzen im Titel gab. Deshalb hatte ich, ehrlich gesagt, auch einen sehr seichten Roman erwartet. Macht nix, les ich zwischendurch auch gern mal. Das Buch von Susanne Schomann hat mir allerdings richtig gut gefallen und ich konnte es kaum wieder aus der Hand legen. Die wirklich spannende Handlung rund um Rafael, Luisa, ihre Familien und Freunde und das kleine Dorf in der Lüneburg Heide hat mich eine ganze Nacht Schlaf gekostet. Die Geschichte war längst nicht so eindimensional, wie Titel und Titelbild vermuten ließen, richtig spannend, mit viel Gefühl und einer sehr überraschenden Wendung. Und Bücher, in denen ER so geschildert wird, dass man sich glatt selbst verlieben könnte, mag ich sehr. Ein Happy End brauch ich sowieso fürs gute Gefühl. Die "dunkle Vergangenheit" von Rafael war mir zwar etwas zu dick aufgetragen, etwas weniger Drama hätte der Geschichte auch nicht geschadet. Auch Luisas Schwärmereien von ihm könnten direkt aus einem der Romanheftchen stammen, die sie so gern liest. Aber sonst fand ich das Buch wirklich schön und habe es sehr gern gelesen. Im Nachwort wird ein zweiter Teil davon versprochen, auf den freue ich mich schon.

Der Holundergarten von Susanne Schomann
Ein Ebook aus dem Verlag Mira Taschenbuch


Montag, 16. März 2015

Bücherglück

Heute mal Bücherglück statt Alltagsfreuden :-) Ich habe nämlich meinen Freitag im Mekka der Bücherliebhaber verbracht: Auf der Leipziger Buchmesse! Fast neun Stunden lang - von der Eröffnung morgens 9:30 Uhr bis zur Schließzeit um 18 Uhr - bin ich abwechselnd zwischen Bücherregalen abgetaucht und habe mir tolle Texte von den Autoren vorlesen lassen. Hier ein paar Eindrücke (die weniger tollen Bilder stammen vom Handy):

Lange Bücherregale, noch längere Glastunnel von Halle zu Halle, Buchfaltkunst passend zum Inhalt und Hinweisschilder zu den Vorleseinseln - das alles ist ganz typisch für die Buchmesse.

Ich lauschte Anke Kuhl ("Lehmriese lebt!"), Frank Maria Reifenberg ("60 Sekunden"), Sabine Ludwig ("Mädchentausch"), Holly-Jane Rahlens ("Blätterrauschen"), Sonja Kaiblinger ("Scary Harry"), Hannah Simon ("Felix oder 10 Dinge, die ich an dir liebe") und Baris Uygur ("Flucht aus dem Höllenhof"). Falls euch die meisten Titel oder Autoren unbekannt vorkommen: Ich war fast ausschließlich in Halle 2 unterwegs - bei der Kinderliteratur.

Das herrliche Bilderbuch im Comicstil "Lehmriese lebt!" hat Anke Kuhl für mein kleines Schulkind signiert und noch seine Lieblingsfigur dazu gezeichnet.

Die Menschenmassen waren der Wahnsinn, aber in der Kinderbuchhalle war es erträglich und bei den Lesungen immer noch ein Plätzchen frei. Ich habe den Tag sehr genossen, war abends allerdings völlig fertig.

Zu guter Letzt zeige ich euch noch meine Ausbeute:

Die drei Bücher ganz links waren gratis, die beiden in der Mitte sind für meinen Kleinen, die beiden ganz rechts für mich zum Lesen und vom "Frühstücksglück" haben hier natürlich alle etwas :-) Was in den beiden Schachteln unten links ist, ziege ich euch ein andermal.
Nicht im Bild sind einige schöne 2015er-Kalender, die verschenkt wurden, sowie die kleine Lesehilfe in Walform. Das ganz rechts ist übrigens ein großer Schaumstoffwürfel, den ich an einem Schulbedarfsstand gekauft habe.

Freitag, 27. Februar 2015

Unverschlüsselt. Eine Rezension


Nach einem sehr leseintensiven 1. Halbjahr 2014, in dem ich Bücher nur so verschlungen habe, und der intensiven Lese- und Schreibphase meiner Bachelorarbeit im letzten Sommer war mir lange Zeit gar nicht mehr nach Lesen zumute. Ein Buch nach dem anderen lieh ich mir in der Bibliothek aus und brachte es vier Wochen später ungelesen zurück. Auch hatten mich im vergangenen Jahr mehrere Bücher derart gefesselt, dass ich von den Geschichten einerseits gesättigt war und zweitens keine Themen auffindbar waren, die mich ähnlich reizen konnten.
Dann aber hörte ich von einem Buch, in dem es um eine nahe Zukunftsvision unserer digitalen Welt gehen sollte - und das reizte mich dann doch. Ich überlegte schon, mir das Buch zu kaufen, als es im Rezensionsportal Blogg dein Buch angeboten wurde. Ich erhielt den Zuschlag und durfte Unverschlüsselt aus dem E-Book-Verlag dotbooks probelesen.

Zum Inhalt:

In nicht allzu ferner Zukunft, im Jahre 2052 nämlich, ist das Leben in einigen Bereichen völlig verschieden von dem, das wir jetzt gerade führen. Allerdings fliegen die Menschen nicht, wie in der SciFi-Literatur sehr beliebt, in protonenbetriebenen Raumgleitern durch gigantische Wolkenkratzerszenarien oder ernähren sich per Tablette. Sie leben wir wir - und doch ganz anders. Alles ist mit allem, jeder mit jedem virtuell verknüpft. Die Straßenlaternen melden, welches Smartphone gerade an ihnen vorbeigetragen wurden, der riesige Flachbildschirm bietet rund um die Uhr ein nutzerangepasstes Informations- und Unterhaltungsprogramm und der Kühlschrank bestellt selbstverständlich völlig automatisch Milch, Butter und Bier nach. Alle teilen alles, alle verdienen dabei und die so zukunftsangstbesetzte Diskussion um Datenschutz und Urheberrecht ist längst überwunden. Natürlich hat diese unglaublich bequeme und fast schon sorglose digitale Revolution auch ihre Schattenseiten - und der Faktor Mensch ruiniert wie eh und je auch noch die schönste Idylle. Denn, wie sagte schon Berthold Brecht so treffend: "Alle guten Ideen scheitern an den Leuten". Wie wahr.

Mein Eindruck:

Das in diesem Buch von Albrecht Mangler entworfene Szenario wirkt sehr glaubhaft, es könnte wirklich die direkte Folge der aktuellen Entwicklung sein. Allerdings schafft es der Autor, viel größer und freier zu denken, als es im Moment bei den Musikkonzernen und Datenschutzrechtlern der Fall ist. Als Kind der heutigen Zeit mit ihren Kino-Raubkopier-Gefängnis-Spots, GEMA-gesperrten Youtube-Videos und Kopierschutztechnologien, die tlw. sogar das Abspielen gekaufter CDs verhindern, hatte ich anfangs etwas Mühe, Manglers Ideen zu folgen. Einige, wie z.B. die Tattoo-Downloads und den 3-D-Druck nicht gegenständlicher Dinge, konnte ich gar nicht nachvollziehen, denn mit einem Download bzw. einer App ist es ja dabei  nicht getan, oder? Auch fällt mir die Vorstellung schwer, jeder könnte an jedem geteilten Inhalt verdienen. Wäre das ein kleines Zubrot oder gar ein Verdienst, der zum Lebensunterhalt reicht? das wird nicht näher erläutert.
Witzig für unsere Generation wird es, als Manglers Protagonisten beginnen, für ein Filmprojekt über die "10er Jahre", also genau unsere Zeit heute, zu recherchieren. Alles, was wir heute als völlig selbstverständlich kennen, entdecken sie erst und amüsieren sich nicht selten über unsere Rückschrittlichkeit und Zukunftsangst. Die Sorgen um unsere Daten, das Führen von Einkaufslisten, Flyer nur mit Bildern und Texten statt mit eingebetteten Videos - darüber können sie nur schmunzeln. Leider kenne ich von der Musik, die sie angeblich authentisch aus der heutigen Zeit besorgen und in ihrem Film verwenden, keine einzige Band. So kann ich nicht einschätzen, ob sie ausgedacht oder aber Underground- oder Szene-Gruppen sind. Allen bekannte aktuelle Radiomusik zu verwenden, wäre in meinen Augen lustiger gewesen.
Dennoch ist Manglers Szenario im Ganzen gut nachvollziehbar und gibt gleichzeitig zu denken, in welche Richtung wir uns entwickeln wollen. Denn die Bequemlichkeit hat ganz klar auch ihre Nachteile und ersetzt Individualität und Freiheit durch Dauerüberwachung und Konformität.
Besonders hervorheben möchte ich noch das Ende des Romans, das völlig unerwartet und sehr cool daherkommt!
Trotz einiger kleinerer Schwachstellen ist das Buch durchaus empfehlenswert und kurzweilig.


Samstag, 20. Dezember 2014

20. Türchen: Buchtipp für größere Kinder

Weihnachtsbücher gibt es ja wie Sand am Meer. Die meisten widmen sich entweder der klassischen Weihnachtsgeschichte, sind für ganz Kleine oder in Form von Krimis oder Satiren für Erwachsene geschrieben. Ein ganz herrlich schräges und kurzweiliges Weihnachtsbuch für ältere Kinder hat der bekannte deutsche Autor Andreas Steinhöfel verfasst:


Kurz vor Heilig Abend rumpelt es gewaltig, die Decke gibt nach und dann liegt plötzlich ein riesiger, echter Elch mitten auf dem IKEA-Tisch und begräbt Omas leicht angebrannte Plätzchen unter sich.Nachdem die Familie den ersten Schreck überwunden hat, stellt sich der Elch mit samtweicher Stimme als Mr. Moose vor und erzählt seine Geschichte. Der Sohn ist über den neuen Freund sehr glücklich, die große Schwester hat reichlich Gelegenheit, ihre intellektuellen Fähigkeiten einzubringen (oder heraushängen zu lassen *ggg*) und der Charmeur alter Schule aka Mr. Moose wickelt nicht nur Mama, sondern auch noch die hartgesottene Kampfemanze aus dem Nachbarhaus um den kleinen Finger.
Wir haben beim Lesen dieses kleinen Büchleins jedenfalls alle herzhaft gelacht, inkl. des Teenies! Und wer hier besondere Fähigkeiten hat, kann sich beim Vorlesen wunderbar am amerikanischen Akzent des Elches austoben!


PS.: Für alle Dresdner: Wir haben unser Exemplar gerade in die Stadtbibliothek zurückgebracht. Es kann also neu ausgeliehen werden.

!!! Bis heute Abend 24 Uhr habt ihr übrigens noch die Möglichkeit, in das Lostöpfchen fürs pickepacke voll gepackte Weihnachtsüberraschungspaket und für die hangenähten Tannenbäumchen für euren Christbaum zu hüpfen! Nicht verpassen! 



Freitag, 21. November 2014

Rezension "Keine Angst, es ist nur Liebe"

Mein neuestes Buch des Rezensionsportals Blogg dein Buch ist der Roman "Keine Angst, es ist nur Liebe" der Österreicherin Marlies Zebinger. Das im Feuerwerke-Verlag erschienene Werk erzählt die Geschichte von Anna Maria Elisabeth Rogner und ihrem neuen Schwarm. Es könnte eine ganz normale Liebesgeschichte sein - wären da nicht Annas Panikattacken, die sie regelmäßig heimsuchen. Zusätzlich hat ein trauriger Schicksalsschlag ihr Vertrauen in sich selbst und in andere Menschen so nachhaltig gestört, dass sie sich neuen Begegnungen und vor allem Beziehungen völlig verschließt. Daran ändert sich auch nichts, als sie Matts kennen lernt und der immer intensiver um sie wirbt. Und dann ist da auch noch die Angst vor der Angst...

Auf 269 Seiten beschreibt Marlies Zebinger nicht nur die Beziehung zwischen Anna und Matts, sondern vor allem auch ihre eigene Geschichte rund um ihre Ängste. Viel Raum nimmt dabei ihr eigenes Erleben, ihre Auseinandersetzung mit dieser veränderten Wirklichkeit und ihre Therapie ein. Berichtet die Ich-Erzählerin von den Sitzungen bei ihrer Therapeutin, wechselt die fiktive, narrative Struktur zu biographischen Schilderungen und Einblicken in mehr oder weniger reelle Therapiesituationen. So sinniert Anna bspw. über eine Mitteilung ihrer Therapeutin: "Ganz weggehen würde sie nie mehr meine Angst, meinte sie dann noch, denn das sei eben die Ausdruck meines Körpers bei Stress und Problemen und Veränderungen und Druck." und gibt Einblicke in einzelne Sitzungen: "Danach sollte ich Gegenstände aussuchen, welche symbolisch für die verschiedenen [...] mir eigenen Ressourcen sind, die ich gegen die Angst zur Verfügung habe." Daneben denkt die Protagonistin sehr viel über sich, ihr Leben, ihre Diagnose und den Sinn des Lebens allgemein nach - und teilt diese Gedanken mit den Lesern. Das kann zuweilen ziemlich anstrengend sein; man bekommt stellenweise das Gefühl, einen Ratgeber zum Thema Selbstwertgefühl und Lebenssinn zu lesen. Leider stören diese Sinnfragen und Krankheitsschilderungen den Fluss der Liebesgeschichte, während wiederum die Beziehungskiste mit Matts das ernste Grundthema des Buches trivialisiert.

Obwohl ich Schilderungen solcher Lebenssituationen sehr schätze, damit Nichtbetroffene das Erleben der Betroffenen nachvollziehen können und einen kleinen Einblick in deren Leben bekommen (was hier auch sehr gut funktioniert!), finde ich die Vermischung mit der fiktionalen Geschichte in diesem Fall nicht so gelungen. Eine Entscheidung für entweder das eine oder das andere wäre hier passender gewesen. Leider muss ich auch anmerken, dass ich das Buch sprachlich nicht besonders ausgereift fand. Man merkt beim Lesen deutlich, dass es von einem literarischen Laien verfasst wurde und das Ziel des Schreibens doch eher die Aufarbeitung der eigenen Krankheitsgeschichte als die Schöpfung von Literatur war. Das ist zwar sympathisch, liest sich aber nicht so richtig gut und ist immer wieder recht anstrengend. Hinzu kommen Bandwurmsätze, lange und häufig redundante Aufzählungen, fehlende Kommata und der zu häufige Griff zu Wortketten à la "Sowieso-immer-besser-Wisser", die -sparsamer eingesetzt - durchaus ein nettes Stilmittel bilden.

Anfangs etwas irritierend, später aber besonders interessant sind die österreichischen Begriffe, die man als deutscher Leser nicht unbedingt kennt und manchmal erraten, manchmal sogar googeln muss. Zu den erstgenannten gehören die Kassa und der Mistkübel, zu letzteren der Vogerlsalat und die Frittatensuppe.

Insgesamt finde ich das Buch ganz gut, wenn man sich aus Sicht einer Angstpatientin in ihre Erkrankung einlesen möchte. Wer einen guten Liebesroman sucht, findet jedoch anderswo sicher den größeren Lesegenuss.

Montag, 8. September 2014

Drogen & Literatur

Hier ist es gerade ziemlich ruhig. Im Blog, meine ich. Das hat mehrere Gründe. Erstens nutze ich seit meinem Geburtstag den PC nur noch äußerst selten zum Surfen im Netz, sondern lieber mein neues Smartphone. Zum Lesen ist das auch ganz fein, bloß eben nicht zum Schreiben. Zweitens sitze ich nach wie vor an meinen letzten schriftlichen Arbeiten fürs Studium. Und drittens habe ich vor allem mit dem kleinen Schulkind derzeit dermaßen viele Termine, dass ich fast jeden Tag ab dem frühen Nachmittag irgendwo in Dresden unterwegs bin. Ein einstündiger Termin kostet mich immer mindestens drei Stunden Zeit. Auch die Organisation und das In-Ordnung-Halten der Schulsachen braucht noch viel Begleitung meinerseits und etwas Spielzeit möchte vor allem der Kleine ja auch noch mit mir haben. Und schon ist wieder Abendbrotzeit und der Tag fast rum. Wenn ich dann vom Vorlesen beim großen Schulkind komme, ist es halb oder dreiviertel neun und ich bin zu nicht viel Sinnvollem mehr zu gebrauchen. 
Außerdem wühlt mich unsere derzeitige Lektüre ziemlich auf - ganz im Gegensatz zu meinem Sohn. Wir lesen, auf seinen Wunsch hin, gemeinsam Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Dieses Buch hat mich bereits vor 20 Jahren sehr geschockt, als ich es mit 14 gelesen habe. Meine Mutter hatte es mir damals als Gegenpol zu dem geschenkt, was ich zu dieser Zeit am liebsten gelesen habe: Harmlose, rosarote Mädchenbücher, am liebsten Internatsgeschichten. Hanni & Nanni und vor allem Dollystanden ganz oben auf meine Favoritenliste. Ich habe diese Welt in den Büchern so geliebt, dass ich schließlich selbst ins Internat wollte. Ich! Das heimwehkrankeste Kind überhaupt. Das Kind, das sich selbst von den Großeltern weinend hat abholen lassen und seinen Kuschelhasen überall mit hinschleppte. (Er liegt auch heute noch in meinem Bett und sieht mit seinen 33 Jahren ziemlich ramponiert zerliebt aus.) Da hat sich meine Mutter wahrscheinlich gedacht: "Das Kind muss endlich mal was Ordentliches lesen, etwas, das eher der Realität entspricht als dieser Heile-Welt-Kram." Später bekam ich dann noch Die Weiße Rose geschenkt.
Christiane F. schildert ihren Weg in die Abhängigkeit schonungslos und ich finde ihre Berichte als Mutter und als Mädchen oft schwer auszuhalten. Dennoch denke ich, dass jede(r) Jugendliche die "Kinder vom Bahnhof Zoo" lesen sollte, weil es massiv eindrücklich schildert, wie der Weg von der ersten Zigarette bis in die tiefe Heroinabhängigkeit aussehen kann, wie schwer bis unmöglich der Ausstieg ist (und warum das so ist) und was Drogen wirklich mit einem Menschen, seinem Körper, seinen Vorstellungen, seinem Leben und seinen Beziehungen machen. Ich selbst war im vergangenen Jahr im Rahmen einer Studienexkursion der Sozialen Arbeit in einer Suchtklinik und fand es dort kaum auszuhalten, so sehr hat es mich belastet.
Ich hoffe jedenfalls, dass mein Sohn - sollte er jemals in die Verlegenheit kommen, so etwas auszuprobieren - an Christiane F. und ihre Freunde denkt. Ich sehe ihn da nicht in Gefahr, weil er alles andere als ein Mitläufer ist, alles und jeden hinterfragt und bisher nichts tut, nur weil andere es tun oder von ihm wollen. Aber ich sehe auch, welche gesellschaftliche Akzeptanz Drogen und Suchtverhalten heute haben. Nikotinsucht gilt als Persönlichkeitsrecht, Raucher als cool, rauchen in Gegenwart von Kindern (im Auto, im Tragetuch, in der Wohnung etc.) als Sache der Eltern und nicht als das, was es wirklich ist: Körperverletzung! Auch in Filmen wird wieder deutlich mehr geraucht, ist mein Eindruck, vor allem im deutschen Kino. Alkohol gibt es immer und überall, schon junge Schüler schleppen Rucksäcke voll davon mit zur Klassenfahrt (wie Lehrer und Schüler berichten), "Vorglühen" vor Partys ist scheinbar die Normalität, mit peinlich-besoffenen Fotos brüstet man sich heutzutage bei Facebook und kassiert reichlich "Likes" dafür. Das führt dazu, dass fast ein Fünftel der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal im Monat im Vollrausch ist, wie der Spiegel berichtet. Ich finde das eine grauenhaft hohe Zahl, die noch schlimmer ist, wenn man sich vergegenwärtigt, wie jung die Kinder und Jugendlichen noch sind! Eigentlich dürften sie laut Jugenschutzgesetz noch nicht einmal trinken! Aber das scheint, wie auch beim Zigatettenverkauf, viele Läden nicht davon abzuhalten, ihnen die Sachen zu verkaufen, das habe ich selbst schon oft genug miterlebt. Und leider auch, wie Omas und Uromas schon kleinen Kindern Alkohol geben, etwa in Form von Eierlikör im Pudding, immer gern mit Hinweis, die eigenen Kinder hätten das auch schon bekommen und "es hat ja noch keinem geschadet". Arrrgh! (Was musste ich mir da alles anhören von wegen "Hysterie" und "Überbehüten", als ich das für meine Kinder abgelehnt habe!)
Shishabars sprießen wie Pilze aus dem Boden und scheinbar denkt sich keiner was dabei, sondern es wird Wasserpfeife geraucht wie andere Kaugummi kauen oder ein Bonbon lutschen. Auch Erwachsene, vor allem Studenten und im Beruf erfolgreiche Menschen, greifen zahlreichen Berichten zufolge immer häufiger zu Aufputschmitteln (am Morgen) und Schlafmitteln (am Abend), was beides sehr schnell zur Abhängigkeit führt und Körper und Geist stark in Mitleidenschaft zieht. Auch erinnere ich mich noch gut an meine Jugendzeit, in der das Schreckgespenst Ecstasy allgegenwärtig war, vor allem im Zusammenhang mit Techno, Disco & Loveparade. Dessen Platz hat heute wohl die Droge Crystal eingenommen. Schlimm finde ich auch die saisonalen Artikel in Frauen- und Lifestylezeitschriften zum Thema "Kater". Jedes Jahr an Silvester und zum Karneval sind die Zeitschriften voll mit Tipps, wie man den Kater am "Tag danach" in den Griff bekommt. Den Rat, einfach nicht so viel zu trinken, habe ich noch NIE gelesen!

Eine wirklich traurige Entwicklung, bei der ich nur hoffen kann, dass ich meine Kinder stark genug erziehe, um etwaigen Verführungen und Gruppenzwängen zu widerstehen, denn mehr hat man als Eltern kaum in der Hand. Die angeblich so coolen Freunde, Bilder und Filme wirken einfach stärker als jeder elterliche Appell an die Vernunft.

Tja, mit solchen Gedanken schlage ich mich also nun herum, da mein Großer langsam, aber sicher in Richtung Pubertät marschiert. Ich gebe zu, der Gedanke macht mir Angst und ich fühle mich gar nicht darauf vorbereitet. Aber es wird wohl wie mit allem sein, was mit Kindern und Erziehung zu tun hat: Man wächst Stück für Stück hinein und tastet sich im "Trial-and-Error"-Verfahren so durch ;-) Meine Mutter hat immer gesagt: "Die Kinder sind den Eltern immer einen Schritt voraus." Wie wahr!

Und damit entlasse ich euch wieder und wünsche euch einen gedankenvollen Montag!

Dienstag, 22. Juli 2014

Rezension "The Fault in our Stars"


Wenn ein Buch bereits verfilmt wurde,überlege ich es mir ja - ehrlich gesagt - zweimal, ob ich es noch lese oder den einfacheren Weg ins Kino gehe. Genau das war auch bei meinem aktuellen Blogg-dein-Buch-Rezensionsexemplar The Fault in our Stars aus dem Randomhouse-Verlag der Fall. Allerdings habe ich mich fürs Buch entschieden und den Film erst angeschaut, als ich es durchgelesen hatte. Und ich habe es nicht bereut!

The Fault in our Stars ist der englische Originaltitel des Buches, das auf Deutsch unter dem Titel "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" veröffentlicht wurde und seit ein paar Wochen eben auch im Kino läuft.

Zum Inhalt: Hazel ist 16 und hat seit drei Jahren Schilddrüsenkrebs mit Metastasen in der Lunge. Mithilfe eines Sauerstofftanks in einem kleinen Trolley kann sie ein einigermaßen normales Leben führen, bleibt aber meist zu Hause. Ihr Eltern zuliebe, die sie gern ein wenig mehr unter (jungen) Menschen sehen würden, nimmt sie an einer Selbsthilfegruppe für jugendliche Krebspatienten in der örtlichen Kirchgemeinde teil. Dort trifft sie auf Augustus, der seit der Amputation eines Beines als geheilt gilt. Langsam kommen sich die beiden näher, obwohl Hazel dagegen ankämpft, hält sie sich doch selbst für eine Zeitbombe", die jeden Moment explodieren und alle um sie herum in Trauer stürzen kann.
Das alles klingt ziemlich grauenhaft (und ist es in der Realität sicher auch). Die Besonderheit dieses Buches liegt für mich aber - neben dem virtuosen Schreibstil des Autors John Green - in der Art, wie er Hazels und Augustus' Geschichte erzählt: Heiter, ironisch und hoffnungsvoll. Kein Mitleid, kein Tapferkeitsmythos, einfach das Leben und die Gefühle zweier junger Menschen, die sich ineinander verlieben - mit allem Glück und allem Leid, was dazu gehört.
Schwierig beim Lesen des englischen Buches war manchmal der medizinische Kontext, aber ich denke, den hätte ich im Deutschen ebenso wenig verstanden. Und es ist auch gar nicht so wichtig, ganz genau zu wissen, um welche Behandlungsform oder Krankheitsart es sich nun handelt. 
Hazel und Augustus wachsen einem beim Lesen unwillkürlich ans Herz, so sympathisch sind die beiden. Dass das Buch aus Hazels Perspektive geschrieben ist, verstärkt die Identifikation mit ihr noch. Gut gefallen hat mir auch, dass meine Ausgabe des Buches mit Bildern aus dem Film ausgestattet war. So waren die Protagonisten für mich von Anfang an die Filmdarsteller und ich hatte beim Anschauen des Films nicht diesen eigenartigen Bruch zwischen meinem eigenen, beim Lesen entstandenen Bild und dem auf der Leinwand.
Obwohl ich Hazel und August auch gern noch länger begleitet hätte, hat der Roman in meinen Augen  genau die richtige Länge. Ich habe schon viele Bücher gelesen, die für meinen Geschmack einfach ein paar Schicksalsschläge oder überraschende Wendungen zu viel aufwiesen, bevor das - meist lange vorhersehbare - Ende kommt. Hier ist die Balance zwischen Spannung und Genuss genau richtig und das Ende sehr überraschend. 
Um ein wenig von John Greens Schreibstil zu illustrieren, den ich so mochte, hier einer meiner Lieblingssätze: "Lidewij drove a clunky gray Fiat with an engine that sounded like an excited four-year-old girl." Ebenfalls wunderbar poetisch: "The sun was a toddler insistently refusing to go to bed: It was past eight thirty and still light."
Eine ganz wunderbare Geschichte, die mir sehr ans Herz gegangen ist, und die ich ganz bestimmt noch einmal lesen werde. Und auch den Film würde ich gern noch ein weiteres Mal sehen.

Ich gebe also eine ganz klare Leseempfehlung für dieses Buch, ob nun auf Englisch oder Deutsch!!!

Mittwoch, 11. Juni 2014

Rezension "Wedding Night"

Ups, jetzt hätte ich fast vergessen, euch von meinem neuesten Liebesschmöker von Blogg dein Buch.de zu erzählen, der mit einer netten persönlichen Nachricht direkt aus London vom Verlag Penguin Random House UK zu mir kam. Dabei hatte ich den doch innerhalb von zwei Tagen durch. Also nun:

Sophie Kinsella
WEDDING NIGHT

Kaum eine Nacht im Leben ist so mit Bedeutung und Magie, aber auch Erwartungen aufgeladen wie die eigene Hochzeitsnacht. Erst recht, wenn man sich vorgenommen hat, mit der Erfüllung aller (sexuellen) Träume bis zu dieser Nacht zu warten. Lottie jedenfalls hält es kaum noch aus, ihren Ben endlich ganz hüllen- und hemmungslos für sich zu haben. Es scheint auch alles perfekt zu sein, als die beiden ihre Reise in das Luxusresort auf Ikonos antreten, wo ihre Leidenschaft füreinander einst begann. Dass sowohl ihre Schwester Fliss als auch Bens bester Freund und Trauzeuge Lorcan nicht viel von ihrer Beziehung halten, kann den beiden Turteltauben ganz egal sein. 
Wirklich?
Und sind all die Missgeschicke, die Bens und Lotties Hochzeitsnacht zu einem absoluten Albtraum werden lassen, nur Zufälle? Warum benimmt sich das Hotelpersonal so fürchterlich aufdringlich und inkompetent und weshalb steht plötzlich auch noch Fliss samt Kind, Trauzeuge und Lotties Exfreund am Strand?
Lottie weiß irgendwann überhaupt nicht mehr, was sie denken soll und wer Freund und wer Feind ist.
Kein Wunder - so einfach ist das schließlich auch nicht. Denn Fliss will schließlich nur Lotties Bestes, wie das große Schwestern nun mal so machen. Und das Beste für Lottie ist in Fliss' Augen ganz sicher nicht dieser attraktive Urlaubsflirt ihrer kleinen Schwester. Zu tief sitzt da noch der Schmerz über ihre eigene Scheidung - und der lässt sie bis zum Äußersten gehen, um ihrer Schwester das gleiche Schicksal zu ersparen. Denn das wird es mit Sicherheit, wenn sie Ben heiratet, davon ist Fliss überzeugt. Was sie dann aber tatsächlich anzettelt, um ihr Ziel zu erreichen, hätte sich Lottie in ihren schlimmsten Träumen nicht ausgemalt. 
Ich übrigens auch nicht, weshalb ich es selbst als unbeteiligte Leserin stellenweise schwer auszuhalten fand. Lotties Verzweiflung ging regelrecht auf mich über, mein Mitleid mit ihr war groß. Das war auch der Grund für mein Turbolesen: Ich musste einfach wissen, wie sie aus dieser verfahrenen Situation wieder herauskommen und ob es ein Happy End geben wird.

Zuerst war ich etwas skeptisch, weil ich bereits vor Jahren mal ein Buch der britischen Bestsellerautorin Sophie Kinsella gelesen und es nicht für gut befunden hatte. Überzeugt, das Buch dennoch zu lesen, haben mich dann die Geschichte und die Möglichkeit, das Buch im englischen Original verschlingen zu können. Außerdem bin ich ein großer Fan von Romanen, die in Europa spielen, hier beispielsweise in London, Nordengland und Griechenland. Das Schmökern hat auch wirklich Spaß gemacht und ich habe oft gelacht. Meine Lieblingsstellen waren allerdings die zweideutigen Gespräche mit Fliss' siebenjährigem Sohn Noah, z.B. als die Erwachsenen sich unterhalten, ob die Frischvermählten ES schon getan haben, Noah die Gespräche aufschnappt und die Erwachsenen versuchen, die Situation mit eigenartigen Umschreibungen noch zu retten: "Have they done it yet?" "Done what?" asks Noah. "Put the sausage in the cupcake," says Lorcan. Noah has exploded with laughter. "Put the sausage in the cupcake!" he crows. "The sausage in the cupcake." [...] "The'll shag there, for definite." "Mind your language, please. Little ears," I gesture at Noah. "Of course she'll --" Richard stops himself, just in time. "Put the sausage in the muffin". "Cupcake," corrects Lorcan. "Shut up" I say, exasperated.
Auch die überall im Text verstreuten Anspielungen auf Jane-Austen-Romane und den Zauberer von Oz mochte ich sehr. Kleine Kostprobe: "Did Elizabeth Bennet and Mr Darcy have sex before they got married?" Her eyes flash at me as though this proves everything."

Also alles in allem ein sehr erfrischendes Buch, das aufgrund der Verortung in Griechenland prima zu Sommer und Urlaubsstimmung passt und mit dem sich ganz prima euer Englisch auffrischen und aufpolieren lässt (vor allem mit sämtlichen Synonymen für ihr wisst schon :-) ).

Samstag, 8. März 2014

Rezension: Eine Liebe zwischen den Zeiten

Im Advent hatte ich schon einmal ein Buch von Sabine Neuffer gelesen. Es hieß "Das Glück ist eine Baustelle" und ich mochte es sehr. Es war genau die Art leichter, rosaroter und humorvoller Liebesroman mit einigen Kompliziertheiten am Anfang und einem süßen Happyend zum Schluss, die ich mag. Also erwartete ich einen ähnlichen Inhalt, als ich mich bei Blogg dein Buch für ihr neues Buch "Eine Liebe zwischen den Zeiten" bewarb. Und hatte im Hinterkopf zudem eine meiner allerliebsten Liebesgeschichten: "Die Frau des Zeitreisenden". Doch nichts von alledem traf zu. "Eine Liebe zwischen den Zeiten" ist ganz anders - und richtig gut! 
 
Bildquelle: Blogg dein Buch.de
 
Alles beginnt in London. Lea ist Anfang 30, als sie die Nachricht erhält, die ihr kaum bekannte Großmutter in Deutschland sei verstorben und hätte ihr ein Haus hinterlassen. Um die Erbschaft zu regeln, steigt sie ins Flugzeug und macht sich auf nach Braunschweig. Das Haus ist noch genauso düster und leblos, wie sie es in Erinnerung hatte und so beginnt sie erst einmal, es von Staub und allerlei Gerümpel zu befreien. Als sie die vollgestopften Mülltüten im kleinen Verschlag unter der Treppe deponieren will, hört sie draußen plötzlich ein lautes Rumpeln. Vorsichtig schaut sie sich um - und erkennt das Haus und die Stadt kaum wieder. Als sie schließlich nur ein paar Straßen weiter auf Hakenkreuzfahnen und Soldaten in SS-Uniformen trifft, zweifelt sie stark an ihrem Verstand. Verwirrt und von einem kleineren Zwischenfall verletzt flieht sie zurück ins Haus ihrer Großeltern, in dem sich zu dieser Zeit jedoch eine Arztpraxis befindet. Sie wird herzlich aufgenommen und medizinisch versorgt, bevor sie panikartig im Verschlag unter der Treppe verschwindet - und im Braunschweig von heute wieder ankommt. Völlig überfordert traut sie sich nicht, jemandem von diesem Erlebnis zu erzählen und würde es am liebsten sofort wieder vergessen. Ein kleiner Teil von ihr hat jedoch Feuer gefangen und möchte mehr erfahren. Unter dem Vorwand, der Verkauf des Hauses gestalte sich komplizierter als gedacht, vertröstet Lea ihren Londoner Verlobten Brian und verlängert ihren Aufenthalt in Deutschland. Als sie erneut ins Braunschweig der Nazizeit zurückkehrt, wird ihr klar, warum sie noch einmal hierher kommen wollte: Der jüdische Arzt Daniel hat etwas in ihr geweckt, sie hat sich verliebt. Während ihr schlechtes Gewissen Brian gegenüber sie nicht loslässt und sie immer neue Ausreden vor Daniel erfinden muss, wenn sie plötzlich verschwindet und wieder auftaucht, braut sich das düsterste Kapitel deutscher Geschichte über ihr zusammen und droht, ihr alles zu entreißen, was ihr lieb und teuer ist...

Eine Liebe zwischen den Zeiten war wieder einmal ein Buch, für das ich meinen Nachtschlaf geopfert habe, weil ich es einfach nicht zur Seite legen konnte. Lea war für mich eine absolute Identifikationsfigur: Genauso alt wie ich, mit ihrem leben recht zufrieden, wird sie plötzlich aus ihrem Alltagstrott gerissen und weiß nicht mehr, wo oben und unten, was richtig und falsch ist. Leas Zerrissenheit und Angst, aber auch ihre Faszination an dieser ganzen besonderen Situation konnte ich richtig gut nachempfinden. Auch alle anderen Figuren waren absolut authentisch gezeichnet, ich fand an keiner Stelle eine Person oder Szene übertrieben oder unrealistisch dargestellt. Vor allem aber fand ich die Auflösung des Ganzen wunderbar gelungen! Kein Happyend im klassischen Sinne und vor allem kein Ausspielen eines Mannes gegen den anderen wie leider viel zu oft anderswo. Viel zu schnell war diese schöne Geschichte ausgelesen, trotz der 335 Seiten. Ich freue mich schon auf das nächste Buch von Frau Neuffer und danke dem Verlag Dotbooks fürs Probelesen!

Montag, 30. Dezember 2013

Von großen Jungs und Robotern

Meine Söhne lieben Bücher. Und Roboter. Und Basteln & Werkeln. Als ich da bei Blogg dein Buch das Buch Papierroboter. 25 fantastische Roboter zum Selberbasteln vom Ullmann-Verlag entdeckte, war die Bewerbung dafür nur noch eine Formsache. Wir hatten Glück und wurden ausgewählt. Als das Buch hier ankam, stürzten sich die Kinder sofort darauf und teilten die Modelle unter sich auf (ok, ganz einfach ist das bei einer ungeraden Anzahl natürlich nicht ;-). Nur wenig später entstand in den Kinderzimmern eine ganze Roboterarmee. Während die filigranen Details dem Kleinen (7) an manchen Stellen noch Schwierigkeiten bereiteten, trafen sie genau des großen Schulkinds (11) Bastelnerv. Was beide aber neben dem reinen Basteln ganz großartig fanden: Es handelt sich hier nicht um eine bloße Sammlung verschiedener Bastelbögen, sondern jeder Roboter bringt eine komplette Charakteristik mit, inkl. Namen, Lebensraum, persönlichen Eigenschaften und Kompetenzprofil, wie man es von Sammelkarten u.Ä. kennt. ICU.URB05 stammt demnach aus Deutschland, ist zur Überwachung geschaffen und daher nicht nur mit Intelligenz, Ausdauer und Geschick gesegnet, sondern obendrein mit einem nachtsichtfähigen Kameraauge und einem ultrasensiblen Mikrofon, das „das Geräusch einer Feder, die auf den Boden fällt, aus mehr als 800 Metern Entfernung aufnehmen kann“ (S. 55). Technische Spezifikationen dieser Art begeistern vor allem größere Jungs, befinden sie sich doch genau an der Grenze von bekannter und sehnsüchtig beäugter Hightech und Zukunftsvisionen, in denen alles möglich scheint. Außerdem lässt sich so noch besser mit den selbst gefalteten und geklebten Flug-, Lauf- und Cruising-Maschinen spielen und kämpfen, wenn man weiß, welcher wie schnell, stark und wendig ist und über welche Spezialkräfte er sonst noch verfügt.
Da die vorgestanzten Bastelbögen, aus denen die Roboterteile nur herausgelöst werden müssen, sich in einem Extrateil des Buches befinden, bleiben die Seiten mit den Bildern und den umfangreichen Informationen auch nach dem basteln erhalten. Da hat jemand wirklich mitgedacht! Ebenfalls bei der Sortierung der Maschinen, die nach ihren jeweiligen Fahreigenschaften geordnet sind. Die Grafik und Ideen für die Roboter sind futuristisch und dank der Zusammenarbeit von 15 renommierten Designern sehr abwechslungsreich, die Buchgestaltung ist sehr übersichtlich und erinnert an SciFi und Baupläne, Schrift und Zahlen sind sorgfältig ausgewählt und passen hervorragend zum Thema. Ungewöhnlich ist die doppelseitige Gestaltung der Bastelbögen, durch die alle Roboter auch ein „Innenleben“ erhalten (oder wahlweise mit dem eigentlich innenliegenden Design nach außen gebaut werden können, wenn einem das besser gefällt). Das sieht man selten und hat uns gut gefallen.
Weltkarten zum Vorkommen der irdischen wie außerirdischen Roboter, Interviews mit einigen Designern und die Klassifizierung der Anleitungen nach Schwierigkeitsgrad runden dieses wirklich gelungene Buch ab, das bei uns in Zukunft sicher des Öfteren auf den Geburtstagstischen einiger Klassenkameraden und Freunde liegen wird.


Samstag, 7. Dezember 2013

Buchrezension "Humpelgreed"


 
Als ich mich bei meiner Stammrezensions-Homepage Blogg dein Buch für das Buch Humpelgreed bewarb, erwartete ich ein Piratenkinderbuch. Was dann allerdings in meinem Briefkasten lag, ließ mich richtig staunen: Kein Brief, keine Büchersendung kam kurz nach der Bewerbung hier an, sondern ein Päckchen. Nein, eher ein richtiges Geschenk, denn in der mit grünem Papier und meeresblauer Well(en)pappe ausgeschlagenen Kiste befanden sich: Das „bestellte“ Buch, eine vom Autoren handgeschriebene (!) Karte aus schönstem Piratenpapier, eine kleine bunte Schachtel, einige Postkarten mit Werbung für andere Bücher des Verlages und ein Rezept für „Piraten-Stockbrot“. Die kleine Schachtel enthielt so geheimnisvolle Dinge wie die Öffnungslasche einer Getränkedose, eine Serviette mit Piratenmotiv sowie den „gefährlichsten Regenwurm der Welt“. Ein derart persönlich und liebevoll gestaltetes Buchpaket haben wir noch nie bekommen!

Zum Inhalt: 

Energie kann man aus Kohlekraftwerken beziehen, aus Windrädern oder aus Biomasse. Oder aber aus den Fragen neugieriger Kinder. Jede Frage, jeder Gedanke versorgen Leben, Schiff und Mannen des fürchterlichen Piratenkapitäns Humpelgreed mit neuem Saft. Und damit ihnen die Energie nie ausgeht, muss Humpelgreed immer neue Kinder entführen und auf sein Schiff nach Seeland bringen. Denn die Kinder sind irgendwann leer, haben keine Fragen mehr. Was dann mit ihnen geschieht? Das müsst ihr schon selbst herausfinden. Ebenso, was es mit den mysteriösen Gegenständen aus der kleinen bunten Schachtel auf sich hat und ob es dem Jungen Tim gelingt, sich und die anderen Kinder zu retten, bevor all ihre Fragen aufgebraucht sind. Auf ihrer abenteuerlichen reise begegnen ihnen Handel treibende Insekten, spionierende Krabben, singende Affen und weitere irrwitzige Gestalten. Überhaupt spielen Lieder eine nicht unbedeutende Rolle, allesamt extra für dieses Buch erdacht.

Meine Meinung: 
Es ist ein wirklich spannendes Thema, das August Gral da in seinem Erstlingsroman bearbeitet. Verpackt in einer Geschichte über das große Thema „Gut gegen Böse“, von wilden Piraten und unschuldigen Kinder, steht das kindliche Fragen und Erfragen der Welt im Mittelpunkt. Und natürlich spielen Mut und Freundschaft eine tragende Rolle.
Der 312 Seiten starke Kinder- und Jugendroman hat aber neben seinem fesselnden Inhalt noch eine weitere Besonderheit: Es wurde komplett in Deutschland erdacht, geschrieben, lektoriert, gesetzt, illustriert, hergestellt und vertrieben. Das ist dem Papierverzierer-Verlag neben der Veröffentlichung fantastischer und fantasievoller Geschichten nämlich besonders wichtig.
Ein wirklich besonderes Buch ist dem Autoren und seinem Verlag da gelungen, das junge Leser nur begeistern kann! Vor allem die Jungen, die bei der Übermacht der starken Mädchen in der aktuellen Jugendliteratur manchmal ein bisschen zu kurz kommen.
Einziger Kritikpunkt: Die Cover-Illustration passt nicht so gut zur Zielgruppe des Buches, da sie eher auf ein Buch für deutlich jüngere Kinder schließen lässt. Die Illustratorin Sabine Sauter zeichnet wirklich zauberhafte Wesen für jüngere Kinder, aber dieses Cover für etwas Ältere ist ihr nicht ganz so treffend gelungen. Hoffentlich führt dieser Umstand nicht zu viele potentielle Leser in die Irre, die sonst ein richtig tolles Buch verpassen!

Bestellen könnt ihr Tims fantastisches Abenteuer übrigens hier.

 

Freitag, 8. November 2013

Bücher schenken zu Weihnachten


Ich gebe zu: Das mit Abstand häufigste Geschenk, das ich mache, ist ein BUCH! Und das zu jedem nur erdenklichen Thema und Anlass. Ich liebe Bücher, finde sie wertvoll und etwas ganz Besonderes, von dem man lange etwas hat. Deshalb stehen auch auf meinem eigenen Wunschzettel immer sehr viele Schmöker. Und was für andere Frauen (Achtung: Klischee!!!) Schuhläden, das sind für mich Buchhandlungen und Bibliotheken. Reingehen, ohne etwas mitzunehmen? Unmöglich! 

Auch das Portal Blogg dein Buch, für das ich hier regelmäßig Bücher rezensiere, sieht Bücher als ideales Weihnachtsgeschenk - das liegt ja in der Natur der Sache ;-) Im Rahmen einer Weihnachtssonderaktion können die Buchblogger in den nächsten Wochen speziell ausgewählte Titel lesen, rezensieren und so das Schönste Buchgeschenk zu Weihnachten wählen. Also - ich bin dabei! Mein Wunschtitel ist übrigens ein Buch, in dem noch (fast) gar nichts steht, sondern das der "Leser" selbst mit seinen Geschichten, Erlebnissen und Erfahrungen füllt: Das "5-Jahres-Buch".


Freitag, 1. November 2013

Von unsichtbaren Brombeeren und bildschönen Polizisten - eine Rezension


Ich hatte mal wieder Glück und durfte via Blogg dein Buch meinen Buch-Favoriten lesen und rezensieren. Diesmal handelte es sich um den romantischen Schmöker Zauber der Hoffnung aus dem Verlag Mira.


Zum Inhalt:

Claire lebt allein mit ihren beiden Kindern, nachdem sich ihr einstiger Traumprinz als Egomane entpuppt hat und sich lieber mit einem sehr jungen, sehr blonden Model vergnügt, als seinen Vaterpflichten nachzukommen. Viel Zeit darüber nachzudenken hat Claire allerdings nicht, denn ihre Kinder und ihr Perlenladen brauchen ihre ganze Kraft und Aufmerksamkeit. Ihre hartherzige, dauernörgelnde Mutter tut ihr Übriges, um Claire auch noch den letzten Nerv zu rauben.
Als Claire allerdings mit dem Auto so schwer verunglückt, dass sie wochenlang an den Rollstuhl gefesselt ist und selbst bei den alltäglichsten Dingen Hilfe braucht, muss sie ihre persönliche Selbständigkeit erst einmal aufgeben, obwohl sie ihr regelrecht heilig ist. Sie ist nun unter anderem von ihrem Ex-Mann und seiner hübschen jungen Frau abhängig, wenn es beispielsweise um die Kinderbetreuung oder Reparaturen im Haus geht. Doch dann steht plötzlich noch ein ganz anderer Helfer vor der Tür, der es Claire jedoch auch nicht leichter macht: Riley, der kleine Bruder ihrer besten Freundin, kümmert sich rührend um Claire und weicht ihr nicht mehr von der Seite. Als er ihr dann auch noch gesteht, dass er sie verehrt, seit er ein kleiner Junge ist, wird es Claire zu viel. Sie weist Riley ab und geht ihm fortan aus dem Weg. Das ist gar nicht so leicht, denn er lässt sich nicht einfach so abwimmeln und nutzt auch noch den kleinsten Vorwand, um sich in ihrer Nähe aufzuhalten. Außerdem schleicht er sich mehr und mehr in ihre Träume. Kein Wunder, ist er doch der mit Abstand attraktivste Mann, der ihr seit langem begegnet ist. Und derart begehrt zu werden, fühlt sich schließlich auch verdammt gut an...
Meine Meinung zum Buch:
Ich bin ein Fan rosaroter Frauenromane, das gebe ich zu. Andernfalls hätte ich mich nicht für ein solches Buch entschieden. Die Geschichte ist schön, aufregend, emotional, spannend und zum Glück mit einem Happy End versehen. Ohne geht bei mir nämlich gar nicht! Das ganze Buch lang fiebert frau DEM Kuss, DER Liebeserklärung entgegen und hofft, dass sich die zwei trotz aller Widrigkeiten am Ende doch noch bekommen. Warum müssen sie auch so viel nachgrübeln und so vernünftig sein und können sich nicht einfach aufeinander stürzen? ;-) 
Die Geschichte an sich ist also durchaus empfehlenswert. Einige Details an dem Buch sind es hingegen weniger.
Fangen wir mit dem Titelbild an: Brombeeren. Hübsch ja, aber wo ist da der Sinn? Auf den 316 Seiten ist nicht ein einziges Mal von Brombeeren die Rede. Ein Blick auf den Originaltitel lüftet dann das Geheimnis: Blackberry Summer. Brombeersommer, das gefällt mir. Klingt nach Hitze und schwerer Süße. Wirklich schön. Schade, dass das Buch im Deutschen so einen beliebigen, weichgespülten Titel bekommen hat.
Claire wohnt zudem in der Blackberry Lane, aber wieviele Englischkenntnisse kann man beim Leser dieses Genres voraussetzen? Überhaupt komme ich nicht umhin, einiges an der Übersetzung zu kritisieren. Der Ort, in dem die Geschichte angesiedelt ist, nennt sich Hope's Crossing. Immer wieder gibt es Sprachspiele mit dem Wort Hope - Hoffnung. Da taucht im Ort ein Hoffnungsengel auf, der Ortsname geht auf eine gewisse Frau namens Hope zurück und es wird ein Giving-Hope-Day veranstaltet. Durch das abwechselnde Beibehalten und Übersetzen geht diese schöne Doppeldeutigkeit für alle verloren, die mit der englischen Sprache nicht so vertraut sind.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft ebenfalls die Sprache, wobei ich nicht weiß, ob dies der Übersetzung oder dem Originaltext geschuldet ist. In dem Buch tauchen einige Wortgruppen und Sätze immer und immer wieder auf, deutlich zu oft, um noch als bewusst gesetztes Stilmittel durchzugehen. "Er sollte lieber gehen, so lange er noch konnte" ist einer dieser Sätze. "Sie roch nach Erdbeeren und Frühling" ein anderer. Gerade den letzten Satz finde ich wirklich schön, nur leider nicht mehr, wenn er derart inflationär eingesetzt wird. Außerdem finde ich die Beschreibungen von Rileys körperlicher Attraktivität, seiner Rückenmuskulatur und seinen unglaublich grünen Augen etwas zu ausufernd geraten, es handelt sich schließlich nicht um einen Erotikroman.

Fazit:

Schön romantische, leichte Geschichte mit Happy End, perfekt geeignet für den Nachttisch oder den Urlaub. Nur zu sprachkritisch sollte man nicht sein, um das Buch wirklich genießen zu können. Pech für mich: Berufskrankheit ;-)

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Abgetaucht & ausgelesen

Lange keine Einträge mehr hier... 
Warum?

Darum:

 

So schön! So herzzerreißend! So kaum-auszuhalten-tragisch! Eine Liebe, die unter die Haut geht! Eine Geschichte, die man nicht wieder aus der Hand legen möchte. 600 Seiten, die gleichzeitig viel zu lang und viel zu kurz sind. 
Für 10 Euro verkaufe ich es weiter.

Jojo Moyes: 

Donnerstag, 26. September 2013

Mikroskopisch klein...

... sind all die Dinge, um die sich dieses tolle Buch dreht:


Haare kann man sehen. Leider. Denn wären sie unsichtbar oder winzig klein, würden sie im Waschbecken nicht so stören ;-) Wimperntierchen kann man mit dem bloßen Auge nicht sehen. Ist wahrscheinlich auch besser so. Sonst würde sich das Wassertrinken aus einem Gebirgsbach in etwa so anfühlen, wie einen kräftigen Schluck aus dem Aquarium zu nehmen. Vitamine kann man ebenfalls nicht sehen. Bedauerlich. Sind sie doch so viel schöner als Zucker und Salz. Wenn das manch kleiner Obst- und Gemüseverweigerer wüsste...
Allerdings gibt es jetzt eine ganz einfache und bilderbuchbunte Möglichkeit, dass er es erfährt - und alle anderen gleich mit: Mit Hilfe des neuen Kinder-Brockhaus-Bandes Eine Reise ins Unsichtbare. Die Welt unter dem Mikroskop. Darin erfahren man, frau und kind in kurzen, informativen Texten, Sprechblasen, bunten Infoboxen und großformatigen Fotos eine ganze Menge über den Teil der Welt, der unserem Auge sonst verborgen bleibt. Und so wissen wir nun, dass das Provitamin B 12 in 80-facher Vergrößerung einem glutroten Weihnachtsstern gleicht, während ein Salzkorn in 30-facher Vergrößerung eher wie ein Wohnblock im Bauhausstil anmutet und Zuckerkristalle an ein abstraktes Gemälde erinnern. Spannend ist sicher auch, sich mal verschiedene Bakterien anzuschauen, wenn man gerade selbst krank ist. In der 20.000-fachen Vergrößerung eines Elektronenmikroskopes sehen die nämlich ganz schön faszinierend aus. 
Ach ja, wie so ein Elektronenmikroskop aussieht und funktioniert, kann man hier ebenfalls sehen und nachlesen, ebenso wie alles über Rastertunnelmikroskope, von denen ich in diesem Buch selbst zum ersten Mal gehört habe. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich im täglichen Leben so selten einhundertmillionenfache Vergrößerungen benötige ;-).
Die Aufmachung des Buches ist sowohl optisch sehr ansprechend als auch gut verständlich. Bereits das Querformat hat mich angesprochen und bietet auf einer Doppelseite pro Thema genügend Platz für ein sehr großes Bild des jeweiligen mikroskopierten Objektes, ein Piktogramm, um auf den ersten Blick zu erkennen, worum es sich hier handelt, ein Foto in Normalgröße (soweit es sich um etwas mit bloßem Auge Sichtbares handelt) und den Text. Dieser ist in leicht konsumierbare und optisch voneinander getrennte Häppchen aufgeteilt und gliedert sich in eine Definition des dargestellten Objektes, eine Beschreibung des vergrößerten Ausschnittes, einige interessante und kuriose Fakten rund um das jeweilige Thema und eine Mitmachidee für junge "Wissensdetektive". Hier können die Kinder in kleinen Experimenten ausprobieren, wie die Haare zu Berge stehen, der Pulsschlag sich beim Sport verändert und was gegen Mücken hilft. Die Erklärung, warum was wie wirkt, gibt es natürlich auch dazu. Text, Infoboxen und Piktogramme sind farblich passend zu den Fotos gehalten, was ich sehr ansprechend finde. So erscheinen die Seiten übersichtlich und schön gestaltet, aber weder überladen noch zu bunt.

Die Altersangabe ist mit 9 Jahren ziemlich hoch angesetzt; mindestens mit dem Schulbeginn dürfte das Buch für viele kleine Forscher und Entdeckerinnen eine spannende Reise in die Welt des (sonst) Unsichtbaren bieten, wie der Titel ja schon verspricht.
Daher von mir eine klare Empfehlung für alle neugierigen Kinder ab 6 und natürlich auch für alle Erwachsenen, denn auch wir haben das Meiste davon ganz sicher noch nie so gesehen. Oder wisst ihr etwa, wie ein Kümmelkorn in 90-facher Vergrößerung wirkt??? Ich sag's euch: Wie eine in Nutella getauchte saure Gurke. Wirklich! Wer das nicht glaubt, der sollte ganz schnell einen Blick auf S. 47 dieses wunderbaren Buches werfen! Das gibt es im Übrigen auch als E-Book und bringt dann noch eine ganze Menge Extras wie eine integrierte Mikroskop-App, animierte, interaktive Grafiken, Videos, Rätsel und ein Quiz.


Das war meine Blogg dein Buch-Rezension im September.
Erwerben könnt ihr das Buch beim Buchhändler eures Vertrauens oder hier oder hier.

Ich wünsche euch noch einen schönen Tag!

Liebe Grüße!

Sonntag, 18. August 2013

Durchgelesen und geweint...


... habe ich heute Nacht. Bis morgens um fünf!!! Das habe ich noch nie gemacht! Aber, einmal angefangen, konnte ich dieses wunderbare Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen:



Lou ist 26 und lebt noch immer in der Kleinstadt, in der sie aufgewachsen ist. Sie ist die gute Seele eines kleinen Cafés und mit ihrem Leben sehr zufrieden. Bis ihr von einem auf den anderen Tag gekündigt wird und sie sich nur noch nutzlos und ungebraucht fühlt. Mangels Ausbildung, Qualifikation und dem Angebot an Arbeitsplätzen in dem kleinen Ort stehen die Chancen auf einen neuen Job mehr als schlecht. Lou nimmt also, was sie kriegen kann, und fängt als Pflegehilfe bei einem reichen, jungen Mann im Rollstuhl an. Er - früher einmal ein Sunnyboy mit Spitzenjob, schönen Frauen und spannenden Weltreisen - ist seit einem Verkehrsunfall schwerstbehindert und kann sich damit überhaupt nicht abfinden.
Diesen Job würde Lou allerdings am liebsten schon am ersten Tag wieder hinschmeißen: Will ist richtig ekelhaft zu ihr, beleidigt sie und will sie nicht in seiner Nähe haben. Trotzdem bleibt Lou da, denn sie braucht das Geld dringend, dass ihr Wills Familie als Lohn zahlt.
Und langsam, ganz langsam, taut Will auf. Es entsteht so etwas wie Freundschaft zwischen den beiden. Bis Lou den schockierenden Grund erfährt, aus dem ihr Arbeitsvertrag auf 6 Monate befristet ist...



Wochenlang bin ich drumherum geschlichen und habe es mir gestern Abend schließlich im Supermarkt (!) mitgenommen! Dort habe ich noch nie ein Buch gekauft! Aber ich hatte solche Lust, den Abend damit auf dem Sofa zu verbringen! Und es hat sich gelohnt! Es war soooo schön! Und so traurig!*schnüff* Danach war ich allerdings sehr froh und dankbar, dass es uns hier so gut geht, und habe meinen Mann gar nicht wieder loslassen wollen.

Da ich lieber ein neues Buch lese als das gleiche ein zweites Mal, gebe ich es gern weiter. Wer mag?

Einen gemütlichen Sonntag wünscht euch


 

Montag, 12. August 2013

Buchrezension "Schlüsselfertig" von Kirsten Rick

Im Rahmen der Aktion Blogg dein Buch habe ich mal wieder fleißig und mit viel Spaß gelesen. Diesmal gab es Schlüsselfertig von Kirsten Rick:

Silke ist noch nicht so alt, wie ihr Name es vielleicht vermuten lässt, und lebt ein Leben, in dem rein gar nichts passiert. Es sei denn, man zählt einen Job am Schalter der Dorfsparkasse oder Schnäppchenjagden mit Mutti beim Discounter zu den aufregenderen Lebensereignissen.
Wer anders ist, wer etwas will vom Leben, der hat schon längst das Weite gesucht. Wer im Dorf bleibt, besitzt entweder das örtliche Opel-Autohaus oder versorgt als Dorffriseuse die ganze Gegend mit einem nicht enden wollenden Nachschub an Wasserstoffperoxid und Drei-Wetter-Taft. Oder kann sich einfach zu nichts anderem aufraffen – so wie Silke. Die bleibt und stößt sich auch weiterhin jeden Morgen wieder den Kopf an der Dachschräge ihres Zimmerchens im Haus der schottisch-geizigen Schwiegereltern. Und wo Schwiegereltern sind, da ist ein Heiner nicht weit. Heiner, das ist der Mann, mit dem Silke seit vielen Jahren das Dachzimmerchen teilt und dem sie nicht mehr beim Essen zuschauen kann, ohne dass sich ihr der Magen umdreht. Doch da naht der Gipfel des Glücks in Form eines Fertighäuschens, ohne Keller, dafür aber mit einem Haushaltsraum für Waschmaschine und Bügelbrett. Selbstredend auf dem sumpfigen Grundstück gleich neben dem Schwiegerelternhaus, das sie just zu diesem Zweck mal eben erworben haben. Alles fein säuberlich geplant und ausgewählt von Heiners Eltern und der leicht überforderten Silke bereits fix und fertig serviert. Aber vorher sollen die beiden jungen Leute doch bitte noch auf Wunsch der Altvorderen ihre Beziehung „in Ordnung bringen“, sprich: das Standesamt aufsuchen. Es versteht sich von selbst, dass die Schwiegereltern auch hier schon mal etwas vorbereitet haben: Einen Ehevertrag nämlich, der ihren Goldsohn vor den finanziellen Fängen seiner Zukünftigen schützen soll.
Doch dann kommt alles ganz anders, denn Silke erwischt ihren Heiner mit Wasserstoffblondine Monique, ihres Zeichens Dorfcoiffeuse, im Heu. Ganz langsam erwacht Silke aus ihrer Lethargie und brennt fast mit dem Brad Pitt der Fertighausverkäufer durch, bis... alles noch einmal ganz anders kommt. Aber das wird nicht verraten.
Kirsten Rick hat mit Schlüsselfertig einen Frauenroman vorgelegt, der nicht ganz so rosarot ist wie viele andere (die ich aber ab und an auch ganz gern mag) – das sieht man schon am Cover ganz in Hellblau. Auch drinnen liest er sich weniger romantisch als vielmehr ziemlich bissig. Das Dorf und seine Bewohner werden reichlich sarkastisch porträtiert und aufs Korn genommen, aber auch die Städter bleiben nicht verschont. Da wird schon mal aus dem gefeierten Hardrocker ein anlehnungsbedürftiges Bürschchen mit Tränen in den Augen, dem man am liebsten einen Plüschteddy in den Arm drücken möchte.
Ich musste oft laut lachen und hatte großen Spaß an Frau Ricks Lust an Wortspielereien. An der einen oder anderen Stelle hätte ich der lethargischen Silke am liebsten mal so richtig in den Hintern treten und ihrer dauerplappernden Mutter sowie der sich chronisch einmischenden Schwiegermama die Meinung geigen wollen. Und bei den Gelagen von Mr. Massivhaus und Silke in der Musterhaussiedlung hätte ich gern mal Mäuschen gespielt – oder gleich mitgemischt. Am Ende hat Silke alles verloren, was sie mal hatte udn vor allem das, was sie hätte haben können. Aber was sie gewonnen hat, ist unendlich viel mehr!
Das Lesen hat wirklich Spaß gemacht, Verlauf und Ende der Geschichte waren teilweise sehr überraschend und ich würde jederzeit wieder etwas von dieser Autorin lesen. Dann aber als richtiges Buch, denn die Zettelwirtschaft des ausgedruckten E-Books hat den Lesegenuss etwas geschmältert. War allerdings mein Fehler, denn ich habe mich für dieses Buch angemeldet, obwohl ich gar keinen E-Reader besitze. Dass es sich um ein E-Book handelt, habe ich zu spät registriert.

Titel: Schlüsselfertig
Autorin: Kirsten Rick
Verlag: Dotbooks
hier erhältlich

Donnerstag, 11. Juli 2013

Sommerloch?

Nee, eher Prüfungs- und Familienloch ;-)
Hier dreht sich seit einigen Wochen alles um meine drei großen Prüfungen (jeweils eine einstündige Fachpräsentation zu einem selbst gewählten, aber komplett neuen Thema), außerdem um Geburtstage, Urlaub und Schulanfang.
Also ist es wie bei vielen von euch: Je ruhiger es im Blog ist, desto heftiger tobt das reale Leben :-)

Wenn zwischendurch Zeit bleibt, lese ich gerade sehr viel. Mit "Muh!" von David Safier und "Silber" von Kerstin Gier habe ich auf die neuesten Werke meiner Lieblingsautoren zurückgegriffen, die, wie nicht anders zu erwarten, beide großartig waren.
Im Gegensatz dazu habe ich mich bei der Aktion Blogg dein Buch auf literarisches Neuland begeben und bin in die erotischen Verwicklungen der drei "Lovers" eingetaucht.

Was soll ich sagen... die Geschichte ist eine von der Sorte, die man sich nicht traut bzw. wünscht, selbst zu erleben, aber gern ein wenig voyeuristisch bei anderen verfolgt: SIE, jung, attraktiv und in Liebesdingen wenig erfahren, trifft auf eine faszinierende gleichaltrige Schönheit, die bei der Wahl ihrer erotischen Stelldicheins keinen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein macht. Die beiden erleben berauschende Nächte in einem malerischen Cottage am Meer. Die sexuellen Begegnungen werden gleichzeitig zum Selbstfindungstrupp nach einigen schmerzhaft gescheiterten Beziehungen. Die Luft ist warm und salzig, im Hintergund die immerwährende Brandung sowie fröhliches Geschnatter und Gelächter der anderen Strandgäste, die Hitze flirrt, die Atmosphäre knistert. Die Spannung entlädt sich in Küssen, Berührungen, Worten. Immer und immer wieder. Sie können nicht genug voneinander bekommen. Bis ER auftaucht. Männlich, braun gebrannt, muskulös. Und doch kein Unterwäschemodel, sondern empfindsamer, intellektueller Schriftsteller, wie alle hier an diesem Ort. Die erste Nacht zu dritt übertrifft die vorangegangenen heißen Nächte noch. Doch von da an gibt es - nach einigen emotionalen Verwicklungen - nur noch SIE und IHN. So sehr SIE sich auch dagegen wehrt, sie kann es irgendwann nicht mehr leugnen: Da ist mehr im Spiel als sexuelle Anziehungskraft. Es ist LIEBE. Doch ER, der heute auftaucht und morgen schon wieder verschwunden ist, der Nähe nur im Bett zulässt, der scheinbar schon alle Frauen der illustren Poetenrunde beglückt hat, er ist wohl der falscheste Kandidat überhaupt zum Verlieben. Verletzungen und Schmerz scheinen vorprogrammiert. Also geht SIE auf Anstand und schaut lieber heimlich ihrer ehemaligen Gespielin mit anderen Männern zu...
Was wird in diesem prickelnden, erotisch aufgeladenen Sommer am Meer wohl noch so alles passieren?

Der Amerikanerin Eden Bradley (Eden - der Name ist Programm!) gelingt es, auf 300 Seiten erotische Spannung zu erzeugen, ohne ins Schwülstige oder Derbe abzurutschen. Ein Mira-Taschenbuch wie ein heißer Sommertag: erotisch, prickelnd und überraschend.


Die Bücher könnt ihr euch gern bei mir ausleihen, z.B. für den Sommerurlaub (bis auf "Muh", das hab ich aus der Bibo)!

Liebe Grüße,

Mittwoch, 5. Juni 2013

Blogg dein Buch: Dr. Oetker Campingküche

Im Rahmen der Aktionen zum Welttag des Buches erfuhr ich auch von der Buchrezensionshomepage Blogg dein Buch.
Mich als unverbesserliche Leseratte und Bücherliebhaberin sprach das Konzept sofort an. Also, nichts wie angemeldet und für das erste Leseexemplar beworben.


Meine Wahl fiel auf die „Campingküche“ der Kochbuch-Koriphäe Dr. Oetker. Als leidenschaftliche Hobbyköchin habe ich bereits einige Dr.-Oetker-Bücher in meinem Küchenregal stehen und nutze sie alle sehr gern. Ob der Klassiker „Das Schulkochbuch“ oder speziellere Themen wie „Minitorten“ oder „Partyrezepte“ – allen ist eins gemeinsam: Die Rezepte und Zutaten sind bodenständig, sehr klar und Schritt für Schritt beschrieben und absolut gelingsicher. Zudem zeichnen sich die Bücher durch eine große Rezeptvielfalt aus, die für jeden Geschmack und Anlass etwas bietet.
Diese durchweg positiven Erfahrungen waren ein Grund für mich, die „Campingküche“ zu testen. Grund Nr. zwei war mein Wunsch, die doch recht einfache Urlaubsart des Zeltens mit etwas mehr kulinarischer Vielfalt zu verbinden. Meine ersten Campingurlaubsspeisepläne bestanden aus Tütensuppen und anderen Fertiggerichten. Was als Jugendliche noch ok war, kommt jetzt nicht mehr in die (Suppen-) Tüte. Umso mehr freute ich mich auf die Zusendung des Rezensionsexemplares, verknüpft mit einigen Erwartungen an Buch und Rezepte.
Zuerst fielen mit natürlich die „äußeren Werte“ des Buches auf: Der knapp A4-große Band wurde mit einem abwischbaren Cover versehen – da hat jemand wirklich mitgedacht! Allerdings könnte es etwas kleiner und leichter sein, schließlich achtet man beim Urlaubsgepäck auf jedes Gramm. Doch die vielen Rezepte müssen ja irgendwo ihren Platz finden, denn das 128 Seiten starke Werk wartet mit ganzen 71 verschiedenen Gerichten auf, die noch nach Belieben variiert werden können. Die Auswahl ist wie gewohnt bodenständig, kann sich aber durchaus sehen (und schmecken) lassen: Vom Salat über warme Sandwiches und heißen und kalten Suppen bis hin zu Pfannengerichten und exotisch angehauchten Rezepten findet sich hier ein großer Vorrat an kulinarischen Ideen für die schönste Zeit des Jahres. Klassiker wie Nudelsalat oder Leberkäse finden sich ebenso wie Rezepte aus fernen Ländern (z.B. amerikanische Spareribs, französische Ratatouille oder griechische Nudeln). Urlaub im Urlaub, sozusagen.
Damit hat das Reaktionsteam vermutlich recht gut den Geschmack der Zielgruppe getroffen, denn wer im Urlaub in erster Linie auf Gourmetküche Wert legt, ist wohl eher seltener auf einem Campingplatz anzutreffen.
Aufgeteilt sind die Rezepte ganz pragmatisch in die Kategorien „1-Topf-Gerichte“, „Heißes vom Grill“ und das etwas sehr allgemeine „Dies & das“, ein weiteres Kapitel widmet sich ganz dem „selbst gemachten Vorrat zum Mitnehmen“. Da hätte es sicher nicht geschadet, noch ein wenig mehr zu gliedern. Auch könnten für meinen Geschmack mehr als zwei süße sowie eine größere Anzahl vegetarischer Rezepte dabei sein, aber das ist wohl im wahrsten Sinne des Wortes Geschmackssache. Besonders kreativ und unbedingt einen Versuch wert finde ich die Ideen, Pizza, Brot und Kuchen in der Pfanne zu backen und den Milchreis im Schlafsack quellen zu lassen.
Sehr gut und vor allem praktikabel finde zum einen die Verwendung von Lebensmitteln mit sehr kurzen Garzeiten wie z.B. vorgegartem Reis, Chinanudeln oder Couscous, zum anderen die Mengenangaben ohne Waage und Messbecher, die entweder in Tassen oder Löffeln angegeben werden oder gleich auf ganze Dosen/Gläser/Packungen zurückgreifen. Das komplette Aufbrauchen beugt auch gleich dem Verderben von Lebensmitteln vor, denn ein Kühlschrank gehört nicht unbedingt zur Standard-Campingausrüstung. Zumindest nicht, wenn man unter Camping das Zelten versteht, wie ich es tue (und wofür ich mir Tipps und Rezepte gewünscht habe). Dann werden auch viele der empfohlenen Zutaten schlecht bzw. kommen gar nicht erst in Frage, hier z.B. Sahne, Butter oder Crème fraîche (wenn sie, wie in den meisten Rezepten, nur in Kleinstmengen Verwendung finden). Hierin liegt in meinen Augen auch die Hauptschwäche des Buches: der Titel „Campingküche“ verrät die Zielgruppe nicht genauer, auch die Beschreibung auf der Rückseite sowie das Vorwort verraten nicht mehr als die Stichworte „kulinarisch campen“, „Urlaub unter freiem Himmel“ und „mobile Küche“. Im Gegenteil, bei Formulierungen wie „spartanische Küchenausstattung“ oder „Ein Topf und eine Flamme, mehr brauchen Sie nicht.“ fühle ich mich in meiner Annahme bestätigt, dass sich Buch und Rezepte (auch) an Rucksackreisende mit Zelt richten. Dieser Eindruck ist aber leider falsch. Liest man die einzelnen Rezepte genauer, stößt man auf Zutaten und Ausstattung, die nur beim Reisen mit (großen) Auto oder gar Wohnmobil an Bord sind: Knoblauchpresse, Extrateller zum Panieren, tlw. mehrere Geschirrteile pro Gericht und eine große Anzahl an verschiedenen Gewürzen und sogar Essig sind im Rucksack kaum zu transportieren, wenn man aufs Gewicht achten muss. Auch Zutaten wie Koriander, Kokosmilch, Sambal Olek, Tortillafladen oder frische Kräuter sind in der Regel nicht im Kiosk oder Minimarkt auf dem Campingplatz erhältlich.
Sind Garzeiten von über einer Stunde angegeben, setzt dies einen längeren Aufenthalt auf dem Zeltplatz vor der Mahlzeit voraus. Das wiederum widerspricht meiner Vorstellung und Erfahrung von Outdoor-Urlaub – den verbringe ich nämlich in der Regel mit Wandern, Klettern, Baden oder auch mal Sightseeing. Kommt man dann von seiner Tour „nach Hause“ zum Zelt, soll das Essen möglichst bald auf dem „Tisch“ stehen und nicht erst in 1,5 Stunden. Hinzu kommt der damit verbundene sehr hohe Verbrauch an Gaskartuschen.

Alles in allem ein ansprechendes Kochbuch mit vielen guten Tipp, vielen Rezepten für jeden Geschmack und Fotos, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Um alles auch so im Campingurlaub umsetzen zu können, benötigt man allerdings schon deutlich mehr als nur die Grundausstattung Gaskartusche und Alutopf. Es wäre nur fair, das auch eindeutig so im Buch bzw. bereits im Klappentext zu kommunizieren.

Titel: Campingküche
Verlag: Dr.Oetker
Erscheinungsdatum: 11. April 2013
Seiten: 128
Preis: 12,00 €
hier bestellbar


Liebe Grüße!
 
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